Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Opposition hält Anti-Terror-Krieg für unzeitgemäß

08. Nov 2007 17:29
Frank Walter Steinmeier (l.) und Franz Josef Jung am Donnerstag im Bundestag
Bild vergrößern
Die Debatte über das Mandat der Bundeswehr für die «Operation Enduring Freedom» nutzten Linke und Grüne im Bundestag für kritische Worte. Vor allem den Nato-Bündnisfall halten sie für obsolet.

Interview:
Die Grünen und die Linkspartei im Bundestag sehen sechs Jahre nach den Anschlägen auf die USA die damalige Begründung der Selbstverteidigung für den weltweiten Anti-Terrorkampf nicht mehr gegeben. Linksfraktionschef Oskar Lafontaine wertete die «Operation Enduring Freedom» (OEF) im Bundestag am Donnerstag als Krieg und Bruch des Völkerrechts. «Krieg ist kein geeignetes Mittel, den Terrorismus zu bekämpfen. Dadurch wird Terrorismus herangezüchtet.»

Mehr in der Netzeitung:
  • Bundeswehr operiert an der Mandatsgrenze 08. Nov 2007 13:41
  • Zahlreiche Tote bei Anschlag in Afghanistan 06. Nov 2007 14:13, ergänzt 17:01
  • Gouverneur sieht sich von Nato verlassen 06. Nov 2007 15:37
  • Kanzlerin Merkel in Afghanistan 03. Nov 2007 11:21, ergänzt 15:01
  • Der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei bezeichnete es als fragwürdig, das Recht auf Selbstverteidigung auch noch heute anzuführen. Er warf Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) vor, um die Begründung für die Legitimation von OEF «erheblich drumherum zu reden». Das internationale Gewaltverbot werde «zersetzt».

    Beide Redner bezogen sich in erster Linie auf den OEF-Einsatz in Afghanistan. Dafür stellt die Bundeswehr bis zu 100 Elitesoldaten zur Verfügung. Allerdings waren diese nach Angaben des Verteidigungsministeriums seit 2005 nicht mehr unter OEF in Afghanistan im Einsatz.

    Hintergrund:
    Die von den US-Streitkräften geführte Operation «Enduring Freedom» dient dem Kampf gegen den Terrorismus vor allem in Afghanistan. Das deutsche Kontingent ist aber überwiegend außerhalb des Landes im Einsatz. Derzeit kreuzt eine Fregatte mit zwei Hubschraubern und 224 Soldaten an Bord vor dem Horn von Afrika. Hinzu kommen 23 weitere Soldaten in Verbindungsbüros in Dschibuti und Bahrein. Auftrag des deutschen Einsatzverbandes ist es, den Schmuggel von Waffen, Munition oder Drogen zu unterbinden. Im Mittelmeer sind zudem zwei deutsche U-Boote mit rund 50 Soldaten im Rahmen der Nato-Mission «Active Endeavour» am Anti-Terror-Kampf beteiligt. Die Höchstgrenze für das deutsche Kontingent soll mit der Mandatsverlängerung von 1800 auf 1400 Soldaten gesenkt werden. Derzeit sind 300 Marinesoldaten im Mittelmeer und am Horn von Afrika im Einsatz.
    Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) sagte auf Netzeitung.de, der Bündnisfall als gemeinsame Selbstverteidigungsmaßnahme bestehe noch immer zu Recht. «Die Terrorgefahr ist unverändert vorhanden.» Die Erwartung, die Terrorgefahr müsste seit dem Beginn des Kampfes gegen die Taliban in Afghanistan vor fünf Jahren eigentlich gebannt sein, sei verständlich. «Wir müssen jedoch einen längeren Atem haben.» Schmidt räumte auch Rückstand bei der Demokratisierung des Landes ein. «Bei der Ausbildung von Polizei, Armee und dem Schaffen rechtsstaatlicher Strukturen sind wir längst nicht da, wo wir sein sollten.»

    Das Kabinett hatte am Mittwoch die Verlängerung des deutschen OEF-Engagements um ein Jahr beschlossen. Die endgültige Entscheidung im Parlament fällt am 15. November.

    Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) warben im Parlament eindringlich dafür, einer einjährigen Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes «Enduring Freedom» zuzustimmen. «Das wäre ein starkes Zeichen für unsere Soldaten», sagte Steinmeier bei der ersten Beratung des Antrags. Auch die gesamte afghanische Regierung setze auf die Zustimmung des Bundestages.

    Jung betonte, der Einsatz diene auch der Sicherheit der Menschen in Deutschland: «Es ist wesentlich klüger, die Gefahr unmittelbar an der Quelle zu beseitigen, bevor sie in wesentlich größerem Umfang die Bundesrepublik Deutschland erreicht.» (nz/dpa/AP)

     
    Drucken
    VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
     
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
     
    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Live Top 5
    netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
    Aus anderen Ressorts
    Zur Autogazette

    Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
    NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
    Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
     
    Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
     
    IT & Security by Procado
     
    [ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
    Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.