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«Mindestlohn schützt Kinder vor Armut»

06. Nov 2007 07:30
Ein Mädchen im Kinder- und Jugendprojekt 'Die Arche' in Berlin-Hellersdorf
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Die SPD hat nach Appellen aus Kirche und Verbänden eine Kommission gegründet, die Sofortmaßnahmen gegen Kinderarmut erarbeitet. Was Kommissionsleiter Jüttner dabei wichtig ist, erläutert er auf Netzeitung.de.

Die SPD will sich nicht vorwerfen lassen, sie tue nichts im Kampf gegen Kinderarmut – ein Vorwurf, den der Deutsche Kinderschutzbund vorige Woche gegen die Bundesregierung erhoben hatte. Deshalb hat der Parteivorstand am Montag in Berlin eine Kommission «Kampf gegen Kinderarmut» ins Leben gerufen – und den niedersächsischen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Januar, Wolfgang Jüttner, zu deren Vorsitzenden gekürt.

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«Es ist eine Schande, dass Kinderarmut in Deutschland seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten anderen Industrienationen», sagte Jüttner mit Blick auf eine aktuelle Unicef-Studie zu Netzeitung.de. «Einerseits plagen uns Nachwuchssorgen, andererseits müssen bei uns in Deutschland rund zwei Millionen Kinder in Armut leben.»

Die von Jüttner geführte Kommission setzt sich zusammen aus Politikern aus Bund, Ländern und Kommunen sowie Vertretern der gesellschaftlichen Gruppen, die mit dem Thema Kinderarmut konfrontiert sind. Bis Januar 2008 will das Gremium erste Ergebnisse in Form eines Sofortprogramms vorlegen.

Bildung nicht nach Kassenlage

Wolfgang Jüttner
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Entscheidend sei, dass alle Kinder in ihrem Leben Chancen erhalten und «nicht von vornherein wegen ihrer Umgebung als Verlierer abgestempelt werden». Konkret fordert der SPD-Politiker die Einführung der Lernmittelfreiheit in Schulen: Die Schul- und Ausbildung dürfe nicht «vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein». Aber auch die Arbeitsmarktlage der Eltern spiele eine wichtige Rolle, fügte Jüttner hinzu. «Das heißt: Eine auskömmliche Arbeit etwa durch einen Mindestlohn und eine gerechte Lohnpolitik schützen Kinder vor Armut.»

Der Kinderschutzbund hatte die geplante Einführung eines Betreuungsgeldes für häusliche Erziehung abgelehnt und der Regierung Tatenlosigkeit im Kampf gegen die Kinderarmut vorgehalten. Der Verband fordert einen höheren Kinderzuschlag für Geringverdiener.

EKD: Zuwendungen am Bedarf orientieren

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mahnte entschiedenere Anstrengungen zur Überwindung der Kinderarmut an. «Kinder brauchen als eigenständige Geschöpfe auch ein eigenes existenzsicherndes Kindergeld», sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Wolfgang Huber, am Wochenende in Dresden zum Auftakt der EKD-Synode. Dieses könne Kinder davor bewahren, «dass Armut in dieser Gesellschaft erblich wird».

Seit der Einführung des Arbeitslosengelds II im Jahr 2004 habe sich die Zahl armer Kinder verdoppelt. 1,9 Millionen Kinder müssten von den 208 Euro leben, die das Arbeitslosengeld II anteilig für ein Kind vorsehe. Huber fügte an, Armut äußere sich nicht nur in materieller Armut, sondern in Bildungsarmut, Beziehungsarmut und mangelnder Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. «Um armen Kindern Teilhabe in unserer Gesellschaft zu ermöglichen, ist es nötig, die Zuwendungen kindgerecht und das heißt am tatsächlichen Bedarf der Kinder zu orientieren», forderte der Berliner Bischof.

 
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