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Protestanten lassen Muslimen freie Wahl

04. Nov 2007 11:54
EKD-Ratsvorsitzender Huber
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EKD-Ratschef Huber hat ein Recht von Muslimen zum Religionswechsel angemahnt. Auch den Bau von Moscheen hält er für legitim.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, hat den Muslimen in Deutschland das Recht zum Bau von Moscheen zugebilligt. Damit sei die kritische Auseinandersetzung über den Ort, die Größe und die Zahl islamischer Gotteshäuser nicht ausgeschlossen, sagte Huber am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Dresden. Zugleich mahnte er das uneingeschränkte Recht von Muslimen an, zum Christentum überzutreten.

Hintergrund:
Huber ging in seinem Rechenschaftsbericht vor dem Kirchenparlament auch auf die Themen Ökumene, Verhältnis von Schöpfungsglauben und Naturwissenschaft, Klimawandel, Kinderarmut und Friedensethik ein. Die evangelische Kirche bejahe die freie Religionsausübung von Muslimen in Deutschland, betonte der Ratsvorsitzende. «Wir machen unser Ja zur freien Religionsausübung von Muslimen nicht von der Frage abhängig, ob islamisch dominierte Länder den dort lebenden Christen Religionsfreiheit gewähren und auch den Übertritt zum Christentum als Ausdruck der Religionsfreiheit achten», sagte Huber.

Die evangelische Kirche trete für die Religionsfreiheit als universales Menschenrecht ein, unterstrich der Berliner Bischof. Sie finde sich nicht damit ab, dass insbesondere Christen derzeit unter Einschränkungen und Verletzungen dieses Menschenrechts zu leiden hätten. «Zu fordern ist in diesem Zusammenhang auch, dass Muslime, die in unserem Land zum Christentum übertreten, deshalb genauso wenig bedrängt werden wie Christen, die zum Islam übertreten», so der Ratsvorsitzende.

Der EKD-Ratsvorsitzende bekräftigte, die evangelische Kirche trete weiterhin «für gute Nachbarschaft zwischen Christen und Muslimen in Deutschland» ein. Dieses Ziel hatte der Rat der EKD in einer im vergangenen Jahr vorgelegten «Handreichung» zum Verhältnis von Christen und Muslimen formuliert. Forderungen von muslimischer Seite nach einem «jüdisch-christlich-muslimischen Trialog» erteilte Huber indes eine Absage. Das jüdisch-christlich Verhältnis werde «von uns theologisch als einzigartig betrachtet», sagte er zur Begründung.

In seinem Bericht ging Huber ausführlich auf das evangelisch-katholische Verhältnis ein und empfahl eine Stärkung des Gemeinsamen. Die evangelische und die katholische Kirche sollten ihre gesellschaftliche und politische Verantwortung gemeinsam wahrnehmen: «Wenn die beiden großen Kirchen in Deutschland mit einer Stimme sprechen, könnten sie den Anliegen des christlichen Glaubens eher Gewicht verschaffen, als wenn sie getrennt agieren. Konkret regte der EKD-Ratsvorsitzende an, sich auf einen Kanon von Schlüsseltexten der gemeinsamen christlichen Tradition zu verständigen.

Die stärkere Profilsuche der christlichen Kirche dürfe nicht zu Rekonfessionalisierung oder Abwertung der ökumenischen Partner führen. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 regte Huber an, dass sich evangelische und katholische Theologie um eine gemeinsame Interpretation der Reformation und der katholischen Reaktion bemühen sollten.

Der Vatikan habe mit der Äußerung, nach der die evangelische Kirche «nicht Kirche im eigentlichen Sinne» sei, dem ökumenischen Klima keinen guten Dienst erwiesen, kritisierte der EKD-Ratsvorsitzende. Zwar hänge das Selbstverständnis evangelischer Kirchen nicht von Rom ab. Doch eine Kultur wechselseitigen Respekts sei für ökumenische Fortschritte unerlässlich. Ausdrücklich begrüßte Huber die Ökumene-Äußerungen von Kardinal Karl Lehmann. Diese seien geeignet, Türen für den ökumenischen Dialog offen zu halten.

Zur Kontroverse über die Evolutionstheorie über die Entstehung des Lebens sagte der oberste EKD-Repräsentant, unter dem Stichwort Kreationismus würden die biblische Schöpfungsberichte missbraucht. Mit der Verkehrung des Glaubens an den Schöpfer in eine Form der Welterklärung habe das Christentum immer wieder Schiffbruch erlitten. Damit werde das Bündnis von Glaube und Vernunft aufgekündigt.

In diesem Zusammenhang attackierte Huber auch die «neuen Atheisten». Deren prominentester Vertreter, der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins, mache die Verfechter des Kreationismus zu den Hauptrepräsentanten von Christentum und Religion. Dawkins Polemik gegen religiöse Erziehung und das Gottesbild des Alten Testaments lasse historischen Sinn und moralische Proportion vermissen. Glaube und Wissen müssten unterschieden werden : «Weder ist die Bibel ein Naturkundebuch, noch vermag die Naturwissenschaft Aussagen über Gott zu machen», sagte Huber (epd)

 
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