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Finanzminister Steinbrück stoppt von der Leyen

02. Nov 2007 07:41, ergänzt 18:53
Finanzminister Peer Steinbrück
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Der SPD-Parteitag zeigt Wirkung: Finanzminister Steinbrück lehnt ein Betreuungsgeld für Eltern von Kleinkindern ab, zumindest, wenn es der Bund zahlen soll. Die Union pocht auf den zuvor erzielten Konsens.

Der Streit innerhalb der großen Koalition um die Einführung eines Betreuungsgelds für die Kindererziehung zu Hause gewinnt an Schärfe. Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber warf Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vor, gegen Koalitionsabsprachen zu verstoßen. Der SPD-Politiker hatte es zuvor abgelehnt, das Betreuungsgeld aus dem Bundeshaushalt zu zahlen. Ein Betreuungsgeld «soll» gemäß einer Koalitionsabsprache ab 2013 an Eltern gezahlt werden können, die ihre Kleinkinder zuhause betreuen. Die SPD hatte auf ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende das von Teilen der Union geforderte Betreuungsgeld für die häusliche Erziehung von Kleinkindern abgelehnt, Steinbrück fühlt sich daran gebunden.

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Die auch als «Herdprämie» verspottete Leistung auf Drängen der CSU in den Plan zum Ausbau der Kleinkinderbetreuung gelangt, den die Große Koalition mit den Ländern gemeinsam beschlossen hatte. Gemeinsam wollen Bund und Länder die Zahl der Krippenplätze bis 2013 auf 750.000 verdreifachen. Ab dann soll es auf Drängen der SPD einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz geben. Ziel des Ganzen ist, dass Eltern Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können. Das CDU-regierte Thüringen zahlt seit 2006 Betreuungsgeld. Eltern erhalten je nach Kinderzahl für Kinder im zweiten Lebensjahr 150 bis 300 Euro.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte am Freitag, Steinbrück habe immer ausgeschlossen, dass das Betreuungsgeld eine Bundesleistung sein solle. Das Finanzministerium wandte sich damit gegen eine Passage im Referentenentwurf des Familienministeriums zum Ausbau der Kinderbetreuung, in dem auf ein Bundesgesetz zu der geplanten Leistung an Familien verwiesen wird, die ihre Kinder nicht in einen Kindergarten geben wollen. Dies sei in der Koalition nicht beschlossen worden.

Noch vor Weihnachten

Das Finanzministerium werde sich gegen ein Bundesgesetz aussprechen, sagte der Sprecher. CSU-Chef Huber kritisierte das angekündigte Veto scharf: Mit Steinbrücks «hilflosem Manöver» richte sich die «Verweigerungs-Taktik der SPD» gegen klare Koalitionsabsprachen. «Das ist nicht akzeptabel.» Huber will das Betreuungsgeld im Gesetzestext verankert wissen. «Da wird kein Jota verändert.» Der Entwurf sei «die punktgenaue Umsetzung dessen, was Union und SPD im Koalitionsausschuss vereinbart haben».

Der von Fachreferenten der betroffenen Ministerien erarbeitete Gesetzesentwurf befindet sich derzeit in der so genannten Ressortabstimmung. Das Familienministerium wolle den Text noch vor Weihnachten ins Kabinett bringen, sagte ein Ministeriumssprecher.

Kritiker fürchten, dass vor allem Familien bildungsferner Schichten das Geld in Flachbildschirme investieren oder für Alkohol und Zigaretten ausgeben. Die Sorge, dass das Betreuungsgeld falschen Anreize setzen könnte, drückten auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund und auch das Familienministerium selbst aus. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, sagte der «Leipziger Volkszeitung», wenn der Bund zusätzlich 1,3 Milliarden Euro für ein Betreuungsgeld ausgeben wolle, solle es in die Qualifizierung der Kinderbetreuung fließen.

Wenn Familienministerin Ursula von der Leyen etwas für alle bieten wolle, solle sie an dem Modell festhalten, die Leitung in Form von Gutscheinen zu gewähren. Damit erhielt manches Kind die Chance auf Flötenunterricht, Schwimmkurse oder noch bessere Sprachfähigkeit, sagte Landsberg. Ein Sprecher des Familienministeriums sagte der Zeitung, von der Leyen wolle darauf achten, dass das Betreuungsgeld keine Anreize biete, Kinder von Bildung fern zu halten. (nz/AP)

 
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