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Grüne wollen «Modernisierungslinke» sein

01. Nov 2007 18:36
Parteichef Bütikofer
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Rund drei Jahre nach den rot-grünen Hartz-Reformen will die Grünen-Spitze einen sozialpolitischen Aufbruch. Der darf auch einiges Kosten. Ende November will die Partei ihr Grundsatzprogramm beschließen.

60 Milliarden Euro für Langzeitarbeitslose, Bildung, Kinder und Familien ausgeben – das wollen sich die Grünen den «ermutigenden Sozialstaat» kosten lassen. Er ist die Grünen-Alternative zum bei Hartz IV dominierenden «obrigkeitsstaatlichen Zwang», wie Parteichef Reinhard Bütikofer sagte. Der Grünen-Vorsitzende stellte in Berlin den Leitantrag für den Parteitag Ende November in Nürnberg vor. Einiges wie die zusammengelegte Sozial- und Arbeitslosenhilfe sei bei den Arbeitsmarktreformen richtig gewesen. Doch beim Reformpaket Hartz sei «besonders viel falsch gelaufen».

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Schluss solle sein mit der «extrem schikanöse Praxis», Arbeitslose zu sinnlosen Kursen oder Jugendliche zur Rückkehr ins Elternhaus zu zwingen. Der Regelsatz soll nach Grünen-Vorstellungen bis zu einer ausreichenden Grundsicherung von 420 Euro bei Erwachsenen und von bis zu 350 Euro bei Kindern erhöht werden. Fürs Alter sollen die Leistungsempfänger bis zu 3000 Euro pro Lebensjahr steuerfrei zurücklegen dürfen. Sie sollen mehr hinzuverdienen können. Um Geringverdiener in Arbeit zu bringen, wollen die Grünen die Sozialversicherungssätze weiter senken.

Die Autoren des Leitantrags sprechen sich gegen ein staatliches Grundeinkommen für alle Bürger aus, wie es die Grünen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fordern. «Man kann nicht auf den notwendigen Aufbau öffentlicher Investitionen das bedingungslose Grundeinkommen draufsatteln», sagte Bütikofer. Er räumte Konfliktpotenzial ein: Die interne Debatte darüber sei «offen». Bedingungslose Beträge will der Grünen-Vorstand aber für Kinder.

Brückengrundsicherung

Die Grünen-Spitze verlangt einen stärkeren Kampf gegen Steuerschlupflöcher, gegen Steuerflucht und -hinterziehung. Ökosteuer-Ausnahmen und Steinkohlesubventionen will sie streichen. Die Steuern auf hohe Erbschaften und private Einkommen sollen steigen, hier bis auf 45 Prozent Spitzensatz. Den Ertrag einer neuen Klimaabgabe auf privaten Wärme- und Stromverbrauch soll der Staat hingegen komplett wieder als «Öko-Bonus» umverteilen.

Im Kunst- oder Sozial-Bereich - auch für Selbstständige - soll es für begrenzte Zeit eine «Brückengrundsicherung» etwa zur Planung neuer Projekte geben - ohne Gegenleistung. Generell sollen Hilfebezieher aber «aktiv zum Wohle der Gesellschaft beitragen». Zum Selbstbild der Grünen als «Modernisierungslinke» gehören laut dem 19- seitigen Antrag die Forderungen nach 800.000 neuen Betreuungsplätzen für Kinder unter drei jahren, nach einer gemeinsamen Schule bis Klasse neun, einer Studium-Finanzierung und Sozialtickets für den öffentlichen Nahverkehr. (dpa)

 
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