30. Okt 2007 15:00
Hätte ein deutscher Diplomat sich nicht geweigert, direkt mit den Entführern zu verhandeln, wäre er schon früher freigekommen, kritisiert Ex-Geisel Blechschmidt. Dennoch dankte er der Bundesregierung für ihren Einsatz.
Einen Monat nach seiner Geiselnahme habe er in einem Telefonat mit dem stellvertretenden deutschen Botschafter ein Verhandlungsangebot des lokalen Taliban-Kommandanten übermittelt, der rasch und ohne Vermittler zu einer Einigung kommen wollte, sagte der 62-Jährige weiter. «Aber der Diplomat sagte nur: 'Ich telefoniere nicht mit den lokalen, nur mit den Taliban ganz oben, die treffen die Entscheidungen!' Da war nichts zu machen», Diese direkten Verhandlungen seien aber erst später aufgenommen worden und hätten schließlich auch zum Erfolg geführt - «nur eben erst Wochen später», zitierte das Magazin den Bauingenieur. Insgesamt zeigte er sich aber dankbar für die Freilassungsbemühungen. Die Bundesregierung sowie die Beamten des Bundeskriminalamts in Kabul und der deutsche Botschafter hätten sich vehement für ihn eingesetzt.
Allerdings wiederholte Blechschmidt seine Vorwürfe, dass die zu seinem Schutz angeforderte afghanische Polizei mit den Entführern gemeinsame Sache gemacht und ihn an die Kidnapper übergeben habe. Zudem habe der afghanische Geheimdienst das Scheitern der ersten Freilassung zu verantworten, weil er das Lösegeld habe einstecken wollen.
Die Hintergründe der Entführung seien kaum politisch motiviert gewesen, da die Kidnapper nach eigenen Angaben gar nicht genau gewusst hätten, wen sie da verschleppen, sagte Blechschmidt weiter. «Die wussten, dass Ausländer kommen, die den Damm reparieren wollen - und die haben im Zweifelsfall Geld. Das war's.» (dpa/AP)