DDR-Atommüll rollt über «marode» Bahnbrücken
Am Montagabend hatte das Verwaltungsgericht Köln einen Antrag von Gegenern des Transports abgelehnt, die Fahrt von Rheinsberg nach Mecklenburg-Vorpommern aus Sicherheitsgründen zu untersagen. Der Zug war von Demonstranten am Dienstag kurz gestoppt worden. Nach Angaben der Polizei wurde der Zug für knapp zehn Minuten aufgehalten. Fünf Protestierer hatten ein Transparent über die Gleise gespannt.
Brandenburgs Grüne traten dafür ein, die Fahrt zu verschieben. Die Bahn sollte die Tragfähigkeit der Brücken überprüfen lassen. Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) sagte: «Ich erwarte von der DB AG und dem Eisenbahnbundesamt, dass alles getan wird, um die Brücken auf der Strecke bei Lindow absolut sicher zu machen.»
Reinhard Dalchow vom kirchlichen Umweltkreis im Nachbardorf Menz äußerte Bedenken wegen «maroder» Eisenbahnbrücken in Nordbrandenburg. Die Initiative gilt seit Jahrzehnten als einzige AKW-kritische Gruppierung in der Region, in der der 70 Megawatt-Reaktor 1966 ans Netz ging. Den Beteuerungen von Bahn und EWN glauben Dalchow und angereiste Atomkraftgegner aus dem niedersächsischen Uelzen nicht.
Das Problem mit den Brücken ist Minister Woidke und dem AKW-Leiter Michael Schönherr nach eigenem Bekunden seit 2006 bekannt. Darum habe der Bereiber einen Spezialwaggon mit 24 Achsen angefordert, der rund 50 Meter lang ist. «Hier verteilt sich die Last so, dass pro Achse nur 16,5 Tonnen Gewicht anfallen», sagt der 53-Jährige Schönherr, der seit 1979 im AKW arbeitet. Obendrein werden auf der Bahnstrecke zwei Brücken zusätzlich abgestützt. Der Zug darf nur 30 Kilometer pro Stunde schnell fahren.
In Brandenburg sind rund 700 Beamte der Landes- und der Bundespolizei im Einsatz. Seit 1995 läuft die Demontage des Kraftwerks, das 1990 vom Netz ging. Für die bis 2012 geplante komplette Demontage der Anlage sind rund 420 Millionen Euro eingeplant. (nz/dpa)

