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Worüber die Koalition streitet

29. Okt 2007 20:34
Macht die SPD-Spitze ihre Ankündigung wahr, in der Koalition nach ihrem Parteitag selbstbewusster aufzutreten, dann dürften auf das Regierungsbündnis schwierige Wochen zukommen.

Zwar trifft man sich bereits am Sonntag, wahrscheinlich ist, dass Union und SPD auf dem nächsten Koalitionstreffen nur Standpunkte austauschen und noch keine Entscheidungen treffen. Ein Überblick über die Streitthemen:

Arbeitsmarkt: Seit Wochen wird in der SPD und der Union über die Verlängerung des Arbeitslosengelds I diskutiert. Auf den ersten Blick sind die Standpunkte nicht so weit auseinander, weil beide Seiten älteren Arbeitnehmern die Unterstützung länger gewähren wollen.

Porträt:
Das Arbeitslosengeld I war im Zuge der Reform-Agenda 2010 der rot-grünen Bundesregierung von maximal 32 auf im Regelfall zwölf Monate gekürzt worden. Über 55-Jährige erhalten es bis zu 18 Monate.
SPD-Chef Beck will Beschäftigten ab einem Alter von 45 Jahren künftig 15 Monate lang Arbeitslosengeld I zahlen. Vom 50. Lebensjahr an soll es maximal 24 Monate lang ALG- Leistungen geben. Beck will den Plan Ende Oktober auf dem Hamburger Parteitag zur Abstimmung stellen. Trotzdem sie dabei sparen könnten, sind die Kommunen dagegen. Auch die Union sieht derzeit keine Koalitionsmehrheit für Becks Plan.

Das auf dem Dresdner Parteitag beschlossene CDU-Modell sieht vor, dass Versicherte mit mehr als 15 Beitragsjahren Anspruch auf bis zu 15 Monate Leistungsbezug haben, 25 Jahre reichen für bis zu 18 Monate. Bei mindestens 40 Beitragsjahren sind bis zu 24 möglich. Damit würden jedoch 55-Jährige im Gegensatz zu heute nicht nach drei, sondern erst nach 25 Beitragsjahren ein verlängertes Arbeitslosengeld von 18 Monate erhalten. Denn die CDU will die Änderungen kostenneutral gestalten, was Verschlechterungen bei Jüngeren nach sich ziehen dürfte.

Es gibt aber zwei gravierende Unterschiede: Die SPD möchte den längeren Bezug an das Alter (ab 50 Jahre) koppeln, die Union an die Dauer der Beitragszahlung. Zudem sperrt sich die Union, mehr Geld für die verlängerten Zahlungen auszugeben.

Die SPD will dies aus den Überschüssen zahlen, die die der Bundesagentur für Arbeit durch das erhöhte Beitragsaufkommen zur Arbeitslosenversicherung einnahm. Verhandlungsmasse könnte die geplanten Senkungen des Beitragssatzes sein. Von der Regierung beschlossen sind 3,5 Prozent, man will aber noch tiefer. Das könnte zugunsten der verlängerten Arbeitslosengeld-Zahlung unterbleiben.

Offen sind auch die Aufstockung des Arbeitslosengelds II, die Neuordnung der Hinzuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslosengeld-II-Empfänger und die Zahlung von staatlichen Lohnzuschüssen, um Niedriglohn-Jobs attraktiver zu machen. Erhebliches Konfliktpotenzial trägt auch der Postmindestlohn in sich. Die SPD will eine Entscheidung der Union noch vor dem 9. November.

Bahnprivatisierung: Das Projekt steht nach dem SPD- Parteitagsbeschluss vor dem Scheitern. Wahrscheinlich wird die Koalition aber noch einmal einen Prüfauftrag erteilen, ob auch bei der Vergabe von Volksaktien die Bahn genügend Kapital erhält. Das war eines der Hauptziele der angestrebten Privatisierung.

Erbschaftsteuer: Anfang nächster Woche will sich die Bund-Länder- Gruppe der Koalition treffen, um letzte Details zur Reform der Erbschaftsteuer zu erörtern. Die Union war zuletzt verärgert über die stockenden Verhandlungen und Forderungen aus der SPD, dass die Reform zu einem deutlich höheren Steueraufkommen führen soll.

Umwelt: Offen ist auch noch die Umsetzung des Klimaziels von der Kabinettsklausur von Meseberg. Danach soll Deutschland die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Zwischen den Ressorts ist umstritten, wie stark Wirtschaft und Verbraucher belastet werden sollen.

Außenpolitik: Noch gilt die Außenpolitik als Feld der Harmonie. Kontroversen zwischen der Kanzlerin und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum Beispiel in der Menschenrechtspolitik zeichnen sich aber ab.

Innere Sicherheit: Ungelöst ist der Konflikt um die Online- Durchsuchungen.

Sonstige Beschlüsse der SPD: Die Beschlüsse der SPD zur Änderung der Wehrpflicht, der Aufstockung des Kindergelds und zur Einführung von Tempo 130 auf den Autobahnen dürften hingegen den Koalitionsfrieden nicht ernsthaft gefährden, weil der SPD-Spitze klar ist, dass sie damit bei der Union nicht durchdringen wird. (dpa)

 
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