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Hitlergruß im KZ

19. Okt 2007 14:36
Der frühere Haupteingang des Konzentrationslagers Dachau
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In Italien sind widerliche Bilder Südtiroler Neonazis entdeckt worden: Zum Beispiel posieren sie im Konzentrationslager Dachau vor dem Mahnmal für die NS-Opfer - mit zum Hitlergruß erhobener Hand.

Die meisten Fotos wurden in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau aufgenommen: Junge Männer präsentieren sich mit zum Hitlergruß erhobener Hand vor dem Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Oder sie stehen grinsend im Dokumentationsraum vor einem Plakat, auf dem «Unsere letzte Hoffnung - Hitler» steht. «Wir sind schockiert», sagte die Leiterin der Gedenkstätte, Barbara Distel, am Freitag dem epd.

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Weder in der Gedenkstätte in Dachau noch an anderen Orten des Gedenkens wurde das Treiben der Neonazis ruchbar. Auf dem Gelände des Konzentrationslagers Sachsenhausen ließen sie sich auf einer Wiese fotografieren, die KZ-Aufsehern zum Erschießen der Häftlinge diente. Vor dem Gedenkstein der früheren Potsdamer Synagoge, zerstört und geplündert in der Reichskristallnacht, halten sie ein Feuerzeug hoch. Diese obszönen Foto-Dokumente beschlagnahmte eine Spezialeinheit der italienischen Polizei vor etlichen Monaten in Bozen bei einer Hausdurchsuchung.

Jetzt wurden sie durch eine Veröffentlichung in der neusten Ausgabe des italienischen Magazins «L'Espresso» publik. Distel teilte mit, sie habe sofort die Polizei eingeschaltet. «Ich fürchte, das lässt sich nicht verhindern», so die Dachauer Gedenkstättenleiterin. Ihr Team habe das Thema schon oft diskutiert und sei gewappnet. Das weitläufige Gelände lasse sich aber nicht rund um die Uhr kontrollieren.

Björn Mensing, Pfarrer in der evangelischen Versöhnungskirche und Leiter von Besuchergruppen im KZ Dachau, erläutert: Es sei praktisch unmöglich, bei jährlich 800.000 Besuchern solche mit rechtsextremer Gesinnung herauszufiltern, um dann ein Hausverbot erteilen zu können.

Am Beispiel eines der beschlagnahmten Fotos zeige sich, wie heikel so etwas sei. Das Bild zeigt einen Mann, wie er mit einem Knie auf dem Boden in gebückter Haltung nach unten blickt, was auch als Andachtshaltung interpretiert werden kann. Die Ermittler in Bozen, im Besitz einer Reihe eindeutiger Bildmaterialien, sehen darin eine Dankesgeste an Hitler.

In italienischen Medien wird das Treiben der Südtiroler Rechtsextremen als «Holocaust-Tourismus» eingestuft. Der Bozener Staatsanwalt Kuno Tarfußer ließ vor zwei Jahren acht Mitglieder des Kameradschaftsrings verhaften, sie nahmen an Sozialprojekten teil, saßen kurze Haftstrafen ab, die meisten sind wieder auf freiem Fuß. Tarfußer bestätigte, dass das italienische Recht den Straftatbestand der Völkerverhetzung und Verhöhnung von NS-Opfern nicht kennt.

Die Mitglieder des Kameradschaftsrings, überwiegend Anfang bis Mitte 20, treten für die «Befreiung Südtirols» ein und werden zur europäischen Neonazi-Szene gezählt, mit festen Kontakten nach Deutschland und Österreich. Auf Gruppenfotos sind sie mit NPD-Funktionären und bei einem Ausflug nach Braunau, Hitlers Geburtsort, zu sehen.

Auch andere Gedenkstätten kennen das: Hakenkreuz-Schmierereien an Gedenksteinen oder in Gästebüchern, junge Männer, die mit Springerstiefeln und schwarzen, mit eindeutigen Schriftzügen bedruckten T-Shirts auftreten und «Heil Hitler» rufen. Drei bis vier Mal im Jahr komme das vor, sagte Herr Hans-Joachim Ries, der für die Sicherheit im KZ Buchenwald zuständig ist.

In Sachsenhausen, wo eines der Fotos der Südtiroler Rechtsextremen entstand, wird im Internet an zwei Brandanschläge erinnert: 1992 gingen Baracken für die jüdischen Häftlinge in Flammen auf, 2002 brannte das Todesmarsch-Museum nieder. Von einem «Holocaust-Tourismus» hatten auch diese Gedenkstätten nichts mitbekommen. (Von Gabriele Rettner-Halder, epd)

 
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