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Zeit für den Entzug von der Droge Öl

19. Okt 2007 08:09, ergänzt 09:10
Erdölraffinerie in Saudi-Arabien
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Ob Klimawandel, Umweltschäden oder Kriege: Der Rohstoff Erdöl hat schon viel Negatives bewirkt, meint Bärbel Höhn. Die Grünen-Umweltexpertin fordert daher ein prinzipielles Umdenken.

Wir erleben gerade das Ende des Zeitalters des billigen Öls. Seit 1999 ist sein Preis von zwölf auf 88 Dollar pro Fass gestiegen. Und es gibt keinen Grund zur Annahme, wir hätten die Höchststände bereits gesehen. Öl wird knapper und diese Knappheit wird die Preise weiter nach oben treiben.

Die explodierenden Ölpreise zeigen, wie gefährlich die Abhängigkeit unseres Lebensstils vom Erdöl ist. Ob Verkehr, Chemie oder Pharmazie – ohne Öl geht in unserer Gesellschaft so gut wie gar nichts. Öl ist eine Droge, von der die Industrienationen abhängig sind. Und wie Süchtige blenden wir die negativen Folgen unserer Abhängigkeit aus: Klimawandel, Umweltschäden, Konflikte und Kriege um Öl.

Wir müssen weg vom Öl. Das ist ein Gebot des Klimaschutzes und der Konfliktvermeidung, aber auch der wirtschaftlichen Vernunft. Die Kosten der Ölimporte – über 40 Milliarden Euro allein im letzten Jahr - werden zu einer wachsenden Belastung für unsere Volkswirtschaft. Noch härter trifft es die Entwicklungsländer. Ihnen entstehen durch den Preisauftrieb beim Öl Mehrkosten, die alle Entwicklungshilfezahlungen in den Schatten stellen.

Andere Länder haben die notwendigen Konsequenzen schon gezogen. Schweden hat mit dem Öl-Entzug begonnen und möchte 2020 vollständig unabhängig sein vom «schwarzen Gold». Diesem visionären Vorbild sollten auch wir Deutsche nacheifern.

Unmöglich ist das nicht. Die Alternativen zum Öl müssen nicht erfunden werden, es gibt sie schon. Im Wärmebereich können Erneuerbare Energien und effiziente Gaskraftwerke, die gleichzeitig Wärme und Strom erzeugen, Ölheizungen leicht ersetzen. Der geringe Anteil des Öl an unsrer Stromproduktion lässt sich ohne weiteres durch Wind- und Sonnenergie ersetzen. Und auch in der chemischen Industrie und bei der Kunststofferzeugung kann man z.B. von japanischen Unternehmen lernen, wie Biokunststoff Erdöl überflüssig machen kann.

Am schwierigsten wird die Loslösung vom Öl im Verkehrsbereich. Kein anderer Sektor ist so abhängig vom Erdöl wie dieser. Autos, Schiffe und Flugzeuge verbrauchen immer noch zu 95 Prozent Ölprodukte, 70 Prozent des Öls der Welt fließen in den Verkehr.

Doch auch hier liegen die Alternativen auf der Hand: Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung, effizientere Fahrzeuge und Elektromobilität, nachhaltig erzeugte Bioenergien. Das Problem ist, dass die Bundesregierung gerade auf diesen Feldern zu wenig tut. In ihren Maßnahmenplänen zu Klimaschutz und Energieeffizienz klafft im Verkehrsbereich eine große Lücke. Und wenn, wie im Streit um schärfere Pkw-Grenzwerte, ein Anstoß von der EU kommt, gehört Deutschland regelmäßig zu den Bremsern. So kommen wir nicht weg vom Öl.

Das Zeitalter des billigen Öls geht zu Ende. Wir können uns unsere Droge Erdöl nicht mehr leisten, ökologisch wie ökonomisch. Es ist höchste Zeit für den Entzug. Zeit für eine Politik «weg vom Öl»!

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Bärbel Höhn ist stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Von 1995 bis 2005 war sie Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
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