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Seehofer rät zum Wechsel des Stromanbieters

17. Okt 2007 17:17, ergänzt 19:10
Horst Seehofer (CSU)
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Die Bundesregierung hat Verbrauchern geraten, auf hohe Strompreise mit einem Anbieterwechsel zu reagieren. In diesem Jahr haben sich gerade einmal drei Prozent der Haushalte für billigeren Strom entschieden.

Die Kritik der Bundesregierung an den Plänen der Energiekonzerne Eon und RWE für eine kräftige Erhöhung der Strompreise reißt nicht ab. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) riet am Mittwoch bei steigenden Strompreisen zum Anbieterwechsel. «Die Verbraucher sind nicht hilflos bei steigenden Preisen, denn sie haben Marktmacht», sagte er in Berlin.

Die Kosten für Strom und Gas hätten sich für viele Haushalte zur «zweiten Miete» entwickelt. Wie Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) fordert Seehofer ein schärferes Kartellrecht. So sollen Konzerne künftig beweisen, dass kein Preismissbrauch vorliegt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte zuvor gesagt, die geplanten Preissteigerungen um bis zu zehn Prozent seien aus Sicht der Regierung nicht nachvollziehbar. Er wies ebenfalls auf die Möglichkeit hin, den Anbieter zu wechseln.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) drohte den Stromkonzernen erneut mit Konsequenzen. Die Bundesregierung müsse von den Energieunternehmen «möglicherweise ihre schützende Hand wegziehen», sagte Gabriel dem Fernsehsender N24. Bislang habe die Regierung versucht, den Konzernen im internationalen Wettbewerb «zu helfen». Nun stelle sich Frage, warum man die Unternehmen etwa weiter «gegen den Zugriff der EU schützen» solle.

Wechsel nehmen zu

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Nach Angaben von Verbraucherverbänden ließen sich mit einem Anbieterwechsel für eine vierköpfige Familie bis zu 200 Euro einsparen. Die Bundesnetzagentur glaubt indes, dass sich die Zahl der Verbraucher, die auf der Suche nach billigerem Strom den Anbieter wechseln, in diesem Jahr fast verdoppeln werde. 2006 machten nach den Zahlen der Wettbewerbsbehörde knapp 690.000 Stromkunden von der Wechselmöglichkeit Gebrauch. In diesem Jahr könnten es nach Einschätzung von Behördensprecherin Renate Hichert bis zu 1,3 Millionen werden. Schließlich hätten schon in der ersten Jahreshälfte 520.000 Kunden ihrem Anbieter die rote Karte gezeigt.

Gemessen an den knapp 40 Millionen Haushalten in Deutschland ist das noch immer nicht viel: gerade einmal drei Prozent der Haushalte dürften in diesem Jahr beim Strombezug neue Wege gehen. Doch der Trend gewinnt noch an Fahrt. Das bestätigt auch Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. «Wir merken seit Juli, als die Genehmigungspflicht für die Grundversorgungstarife wegfiel, dass durch die Verbraucher ein Ruck gegangen ist, dass sie aufmerksam werden und vermehrt wechseln», berichtete sie.

Weitere Preiserhöhungen erwartet

Schwierig oder gar gefährlich ist der Wechsel nicht. «Es kann nichts passieren. Man steht auf keinen Fall ohne Strom da. Denn wenn etwas nicht funktioniert, muss der Grundversorger einspringen», versucht die Sprecherin der Bundesnetzagentur die Bedenken vieler Stromkunden zu zerstreuen. Man müsse sich lediglich für einen Anbieter entscheiden. Denn Rest übernehme dann der neue Stromlieferant.

Ungeachtet der wachenden Kritik rechnet die Elektrizitätswirtschaft auch für die nächsten Jahre mit einem weiteren Anstieg der Strompreise. «Viele Faktoren deuten darauf hin, dass die Energiepreise auch in den nächsten Jahren steigen werden», zitierte die «Bild»-Zeitung den Präsidenten des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). (nz/AP/dpa)

 
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