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Merkel will über Neuregelung von ALG I reden

13. Okt 2007 12:11, ergänzt 14. Okt 2007 11:57
In Berlin demonstrierten Tausende gegen die Bundesregierung
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Im Streit um ALG I zeigt sich Müntefering kompromissbereit. Er wolle sich mit SPD-Chef Beck zusammensetzen, so der Vizekanzler. Und auch Kanzlerin Merkel meldete sich zu Wort.

Zwei Wochen vor dem SPD-Parteitag in Hamburg kommt Bewegung in den parteiinternen Streit über das Arbeitslosengeld I. Arbeitsminister Franz Müntefering zeigte sich kompromissbereit und machte am Wochenende einen Schritt auf SPD-Chef Kurt Beck zu. Er kündigte an, kommende Woche gemeinsam mit Beck einen Vorschlag zu entwickeln. Erstmals meldete sich Kanzlerin Angela Merkel in der Debatte zu Wort und bekundete Gesprächsbereitschaft mit der SPD. In Berlin demonstrierten Tausende gegen die Bundesregierung.

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Vizekanzler Müntefering schlug Beck laut «Spiegel» vor, ältere Arbeitslose müssten sich künftig entweder fortbilden oder mit Sanktionen rechnen. Außerdem müssten sie über 55 Jahre alt sein, um 24 Monate Arbeitslosengeld zu erhalten. Zudem wolle Müntefering die Möglichkeit der Frühverrentung für ältere Arbeitslose vollständig ausschließen, berichtete das Magazin.

In der «Bild»-Zeitung regte Müntefering an, bei älteren Arbeitslosen eine Fortbildung oder Beschäftigungsmaßnahme an die Bezugsdauer des ALG I anzuhängen. Es gebe bereits jetzt eine Regelung, nach der Fortbildungsmaßnahmen auf die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld nicht voll angerechnet werden.

Merkel, die sich in der Debatte bislang zurückgehalten hatte, sagte in der «Bild am Sonntag»: «Jetzt werden wir sehen, was die SPD auf dem Parteitag beschließt, und dann in der Koalition darüber sprechen.» Zugleich stellte die CDU-Vorsitzende Bedingungen für eine Verständigung mit der SPD. Veränderungen beim Arbeitslosengeld I müssten kostenneutral gestaltet werden. Sie erinnerte daran, dass ein ähnlicher Beschluss bereits Teil des Wahlprogramms der Union 2005 gewesen sei. Diesen Vorschlag habe die Union Anfang des Jahres der SPD unterbreitet.

Finanzminister Steinbrück warnt die SPD

Beck reagierte in derselben Zeitung positiv auf Merkels Gesprächsangebot. Die SPD werde auf ihrem Parteitag einen Beschluss fassen, dessen Grundlage das vom DGB erarbeitete Konzept sei. Er kündigte an, die Verlängerung der Bezugsdauer regelmäßig zu überprüfen. Klar sei, dass im Gesetz eine Missbrauchsklausel stehen müsse.

Finanzminister Peer Steinbrück warnte die SPD davor, die Agenda 2010 aufzugeben. Gefährlich sei es, wenn Teile der SPD glaubten, die Debatte über das Arbeitslosengeld I sei «quasi die Safetür, die nur geknackt werden muss, um dann die Agenda rückgängig zu machen», sagte er im «Spiegel».

Müntefering bekam in dem Streit erstmals deutliche Rückendeckung aus der SPD-Bundestagsfraktion. «Franz Müntefering hat recht. Man kann die Büchse der Pandora nicht öffnen», sagte Bundestags-Vizepräsidentin Susanne Kastner der «Welt am Sonntag». Dagegen forderte der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Müntefering zum Einlenken auf und sagte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Einen Kompromiss kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.» Auch die Linken kritisierten Müntefering erneut. Der Kompromissvorschlag Münteferings sei völlig unzureichend, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Klaus Ernst.

In Berlin protestierten am Samstag mehrere tausend Menschen gegen den Abbau von sozialen und demokratischen Rechten. Beteiligt waren unter anderem Vertreter der Gewerkschaften IG Metall, ver.di und GEW sowie Delegationen aus Großbetrieben wie Siemens, Daimler, Thyssen und RAG. (AP)

 
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