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Kinder haben es im Osten am besten

05. Okt 2007 10:48
Kindergarten in Frankfurt an der Oder
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Die neuen Bundesländer haben seit Jahren ein Imageproblem. Doch bei der Kinderfreundlichkeit kann der Osten punkten. Das Problem: Wenn sie groß sind, ziehen sie weg, nach Berlin oder gen Westen.

Irgendwie hatte man ja schon immer den Eindruck, aber jetzt ist es amtlich: Bei der Familienfreundlichkeit liegt Ostdeutschland vorn. Vor allem bei der Kinderbetreuung wirken sich die aus DDR-Zeiten vorhandenen Strukturen positiv aus. Alle untersuchten Faktoren betrachtet, steht Potsdam an der Spitze der zwölf kinderfreundlichsten Regionen bundesweit. Aber auch fast alle anderen Städte und Kreise der neuen Länder liegen bei Kinderbetreuung, bezahlbarem Wohnraum, Schulen und Freizeitspaß im besten Drittel. Doch mit steigendem Lebensalter schmilzt dieser Standortvorteil dahin: Zum Studieren, oder spätestens nach der Ausbildung wandern viele Ostbürger ab, weil die Chancen auf einen attraktiven Job gering sind. Das Sozialforschungsinstitut Prognos AG hatte für den Familienatlas 2007 insgesamt 439 Städte und Landkreise nach Familienfreundlichkeit untersucht.

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Die besten Bedingungen für Menschen mit Kindern bieten neben Potsdam Schleswig-Flensburg, Landau, Erlangen, Baden-Baden, der Main-Tauber-Kreis, Kitzingen, Bernkastel-Wittlich, Tübingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Garmisch-Partenkirchen. Schlechter liegen dagegen andere Regionen in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Besonders schlecht schnitten alte Industrieregionen wie Essen, Bochum oder der Ennepe-Ruhrkreis ab. Düster sieht es dem Atlas zufolge auch in den früheren Zonenrandgebieten wie dem Landkreis Helmstedt, Salzgitter oder Osterode am Harz sowie in den Landkreisen Hof oder Tischenreuth aus.

Attraktive Klassengrößen

Gewertet wurden vier Handlungsfelder: Vereinbarkeit von Familie und Beruf; Wohnsituation; Bildung und Freizeitangebote. Dies seien die Gebiete, die die Kommunen beeinflussen könnten, sagte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). «Alle Städte und Landkreise haben Potenziale, die sie nutzen können und müssen.» Zudem flossen Rahmenbedingungen ein, die nicht sofort beeinflussbar sind, nämlich der Arbeitsmarkt und die jetzige Altersstruktur der Bevölkerung.

Daraus ergibt sich ein bunter Flickenteppich. Fast die gesamte Osthälfte der Republik ist hellgrün, was bedeutet: Zwar sind die Rahmenbedingungen - vor allem der Arbeitsmarkt - schlecht, doch tun die Regionen viel für Familien. Von der Leyen verwies darauf, dass es hier zum Beispiel attraktive Klassengrößen von nur 16 Schülern gebe. Dagegen haben viele Regionen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern zwar gute Rahmenbedingungen, tun aber nach den Kriterien des Familienatlas' zu wenig: Sie sind blau eingefärbt.

Chancen für die Wirtschaft

Von den 40 größten Städten schafft es nach der Prognos-Klassifizierung keine in die Spitzengruppe, unter anderem, weil Wohnraum teuer ist. Dennoch gibt es Unterschiede. Dresden, Freiburg, Lübeck, München, Münster und Stuttgart sind dem Familienatlas zufolge «aufstrebende Regionen». Die Rote Laterne halten hingegen Essen, Bochum und Wuppertal, wo aus Sicht der Autoren schlechte Rahmenbedingungen und wenig aktive Lokalpolitik zusammentreffen.

Der Familienatlas sei auch für Unternehmen wichtiger Anhaltspunkt, betonte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun. «Ob Betriebe im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter Chancen haben, hängt immer stärker von der Attraktivität ihrer Regionen für Familien ab.» Die IHK prüfe dann, wie gut ihre Region ist. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bekannte sich dazu, «die Achtung und Förderung der Kinder und Familien (...) zum zentralen Leitbild» zu machen. Doch warnte der Verband davor, die Schlussfolgerungen des Familienatlas' zu überbewerten. Würde man Familien fragen, wie wohl sie sich fühlten, bekäme man möglicherweise andere Antworten. (nz/dpa/AP)

 
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