29. Sep 2007 16:36
Sie hat den Epochenwechsel in der CSU maßgeblich mit beeinflusst. Doch für Führungspositionen kommt Gabriele Pauli nicht mehr in Frage. Die Partei gab ihr in München keine Chance.
«Du und ich, wir haben eine gemeinsame Geschichte», sagt die Fürther Landrätin. Dem Rückzug Edmund Stoibers sei vorausgegangen, dass sie gesagt habe, was sie und viele CSU-Mitglieder dächten - und sie habe sich dafür vieles anhören müssen: «Ich habe erlebt, wie die Staatskanzlei in Aktion getreten ist», sagt sie. In die Rotlicht-Ecke habe man sie stellen wollen und als «Königsmörderin» sei sie bezeichnet worden. Dann wendet Sie sich wieder direkt an Beckstein: «Du, lieber Günther, ich möchte von Dir eine Erklärung haben. Wie kann es sein, dass jemand wie ich von Dir als eine Person bezeichnet wird, die zum Psychiater muss?» Keine Entschuldigung wolle sie, nur eine Erklärung.«Ja, danke schön», sagt der Tagungsleiter, CSU-Vize Ingo Friedrich. Er will zur Tagesordnung übergehen, wirkt verunsichert. Den Unterkiefer schiebt er vor und zurück, öffnet lautlos den Mund und schließt ihn wieder. Die Journalisten stürzen sich auf Pauli.
Kurze Zeit später tritt sie erneut ans Mikrofon: «Ich möchte nur noch einmal ein Wort dazu sagen.» - «Liebe Gabi, das kann man immer noch klären, aber jetzt sind wir im Wahlgang», entgegnet Friedrich. Nein, widerspricht Pauli, der Tagesordnungspunkt heiße Aussprache, und deshalb wolle sie, dass ihr Beckstein eine Antwort gebe. Friedrich sagt: «In dem Moment, in dem der Wahlkampf eröffnet ist, gibt es keine Diskussion mehr. Und der Wahlgang ist eröffnet.» Pauli will dies nicht gelten lassen: «Wir sind eine demokratische Partei. Es geht nicht, dass man aus formalen Gründen versucht, so was abzuwürgen.»
Doch die Helfer sammeln schon die Stimmzettel ein. Friedrich lehnt sich etwas zurück. Er sagt etwas. «So eine blöde Kuh», ist leise über die Verstärkeranlage zu hören. Der Unions-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder (CDU), lächelt angestrengt, Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) schaut, ohne zu lächeln. Andere schütteln den Kopf. Stoibers Miene ist versteinert. Dennoch: Die Delegierten lassen sich von Pauli nicht beeindrucken - 96,6 Prozent stimmen für Beckstein.
Als dieser aufs Podium tritt, bietet er Pauli ein persönliches Gespräch an. Die 50-Jährige nimmt es an, wie sie später bei ihrer Bewerbungsrede um den CSU-Parteivorsitz sagt - ihrem eigentlichen großen Auftritt. Allerdings wäre es ihr nach eigenen Worten lieber gewesen, der künftige Ministerpräsident hätte eine öffentliche Erklärung abgegeben. Dann erläutert sie ein weiteres Mal ihre Vorstellungen von moderner Familie, von moderner Politik und einer modernen CSU. Die Menschen seien frustriert von der Politik. Die Partei müsse den Menschen sagen, dass sie erwünscht seien - mit ihren Ideen, mit ihren Ecken und Kanten. Kurzer Höflichkeitsapplaus.
24 von 959 gültigen Stimmen entfallen auf Pauli. Dennoch: «Die Worte waren nicht umsonst», sagt sie, während sich Erwin Huber als neuer Vorsitzender feiern lässt. Allein durch die Kandidatur habe sie der CSU einen Impuls gegeben, der die Mitglieder zum Nachdenken darüber bewegen werde, was Ehrlichkeit bedeute. «Um CSU-Vorsitzende zu werden, hätte ich wahrscheinlich einige Dinge anders sagen und andere Dinge in den Vordergrund rücken müssen.» Selbst dem CSU-Vorstand gehört sie seit dem Parteitag nicht mehr an. Sie wurde von ihrem Bezirksverband Nürnberg-Fürth-Schwabach nicht mehr vorgeschlagen. Bezirkschef Beckstein habe sie für «nicht mehr vermittelbar» gehalten. (ddp)