29. Sep 2007 11:08, ergänzt 11:49
Der Appell Günther Becksteins, zusammenzuhalten, blieb ungehört - zumindest bei einer der CSU-Delegierten: Gabriele Pauli wollte von der Parteispitze vielmehr wissen, warum sie so beschimpft werde.
Sie verlange von Beckstein eine Erklärung dafür, warum er sie als eine Person bezeichnet habe, «die zum Psychiater muss», sagte Pauli. Damit verzögerte sie die geplante Kür Becksteins zum neuen Spitzenkandidaten der CSU.Pauli erinnerte am Samstag daran, dass sie es gewesen sei, die als erste den Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund Stoiber zum Rückzug aufgefordert habe. Sie warf der CSU vor, sie nun als «Königsmörderin» zu bezeichnen. «Ich habe mir sehr viel anhören müssen.» Man habe den Versuch gemacht, sie ins Rotlichtmilieu zu stellen und unglaubwürdig zu machen.
Pauli hatte mit ihrer Kritik an Stoiber maßgeblich zu dessen Rückzug beigetragen. Nun versuche die Partei, einen Verantwortlichen für die Entwicklung der vergangenen Monate zu finden und ihr dies anzuhängen, sagte die Kommunalpolitikerin.
Zuvor hatte Beckstein seine Partei zum Zusammenhalt aufgerufen. Nach der Wahl des neuen Parteichefs müsse die CSU «zu ihrer legendären Geschlossenheit» zurückfinden, sagte Beckstein beim CSU-Parteitag. Dies sei besonders vor den Kommunal- und Landtagswahlen im kommenden Jahr wichtig. Er setze «auf Mannschaftsgeist und Mannschaftsleistung», sagte Beckstein. «Edmund Stoiber hinterlässt große Schuhe.»
Beckstein betonte, er wolle als Nachfolger von Stoiber eigene Akzente für Bayern setzen. Er wolle die erfolgreiche Politik fortführen, aber niemanden kopieren, sagte er.
In diesen Minuten entscheiden die Delegierten in geheimer Abstimmung über die Nominierung des bayerischen Innenministers zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008. Am Mittag bestimmt der Parteitag den Nachfolger Stoibers im Amt des CSU-Vorsitzenden. Es kandidieren Wirtschaftsminister Erwin Huber, Bundesagrarminister Horst Seehofer und die Fürther Landrätin Pauli. (nz)