29. Sep 2007 11:01
Gäste aus Politik, Wirtschaft, Showgeschäft und Sport sind gekommen, um Edmund Stoiber zu huldigen. Doch nicht er, dessen 66. Geburtstag gefeiert wurde, war die Attraktion, sondern die Kanzlerin.
Gäste aus Politik, Wirtschaft, Showgeschäft und Sport sind gekommen, um ihm zu huldigen. ZDF-Moderatorin Karen Webb führt durch den Abend, hält nach und nach den prominenten Gratulanten das Mikrofon vors Gesicht. Österreichs Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel beispielsweise frischt Erinnerungen auf und schwärmt von einer fernen Nacht, in der er mit den Stoibers eine halbe Flasche Schnaps gelehrt habe.Nach Lobreden von Kroatiens Premier Ivo Sanader und Ex-Skistar Markus Wasmeier philosophiert der ehemalige Premiere-Chef Georg Kofler über Stoibers Verdienste um den Medienstandort München: «Er hat in unserer Branche den Transrapid schon erkannt, als manch einer noch von der Umstellung von Dampf auf Diesel gesprochen hat.» Und Schauspielerin Uschi Glas scheitert an der Aufgabe, die Dauer von Stoibers CSU-Mitgliedschaft zu schätzen.
So plätschert die insgesamt mehr als zweistündige Stoiber-Show so vor sich hin, als Merkel mit ihrem Auftritt für den überraschenden Höhepunkt des Abends sorgt. Mit einer sehr persönlichen und unterhaltsamen Laudatio begeistert sie die Geburtstagsgäste. «Mit 66 Jahren fängt das Leben an, aber man hat auch schon einiges hinter sich», ruft sie Stoiber zu, um an Begegnungen, aber auch Meinungsverschiedenheiten zu erinnern: «Es wäre falsch zu sagen, wir hätten immer nur harmonische Stunden gehabt.» Und Merkel fügt hinzu: «Es war nicht immer einfach mit Dir!» Doch irgendwie hätten beide immer wieder zueinandergefunden.
Als sie in der Zeitung von Stoibers Einladung an Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) zu einer Brotzeit in sein Privathaus nach Wolfratshausen gelesen habe, sei sie «doch ein bisschen enttäuscht gewesen», sagt Merkel augenzwinkernd. «Weil unser Frühstück in Wolfratshausen mir ziemlich einzigartig schien, und nun bin ich mir nicht mehr sicher.» Die Partygäste johlen.
Merkel bescheinigt Stoiber preußische Tugenden. Er stehe für Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und Geradlinigkeit. Doch eine preußische Tugend fehle dem 66-Jährigen noch, «an der könntest Du noch ein bisschen arbeiten: Pünktlichkeit». Der Saal jubelt - die meisten dürften schon diverse Stunden Wartezeit auf Stoiber hinter sich haben. Und schließlich spöttelt die Kanzlerin noch über Stoibers Kreativität bei der politischen Argumentationsfindung. Er habe immer eine rationale Begründung gefunden, selbst da, wo es vielleicht gar keine mehr gegeben habe.
Stoiber schwärmt später darüber, dass Merkel so «persönliche, herzliche und hintergründige Worte» gefunden habe. «Das ist keine Null-acht-fünfzehn-Geburtstagsrede gewesen!» Zu seinem Rückzug sagt er: «Alles hat seine Zeit, das muss man auch akzeptieren.» Künftig, verrät Stoiber, wolle er sich das eine oder andere Theaterstück ansehen, wozu er seit Studententagen nicht mehr gekommen sei. Er bedankt sich noch für einen «wunderbaren Abschied» und bekommt den Udo-Jürgens-Klassiker «Mit 66 Jahren ...» vorgespielt - von einer Band mit dem Namen Die Dorfrocker. Die Gage von Jürgens selbst war der CSU für ein Geburtstagsgeschenk zu hoch. (Von Petr Jerabek, ddp)