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Starker Schwulenhass unter Migranten

25. Sep 2007 16:26
Schwuler Kuss: Die Hälfte der türkischen Jugendlichen findet das abstoßend.
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Jugendliche mit türkischen oder russischen Wurzeln lehnen Homosexuelle deutlicher ab als ihre deutschstämmigen Klassenkameraden. Das liegt an Religion und Männlichkeitsnormen, berichtet Harald Czycholl.

Wenn Stefan K. mit seinem Freund Händchen haltend in Berlin-Kreuzberg unterwegs ist, achtet er darauf, keinen Gruppen von Jugendlichen zu begegnen - vor allem nachts. «Sicher ist sicher. Meistens wechseln wir einfach die Straßenseite», erzählt er. Seine Angst ist nicht unbegründet, denn die Fälle häufen sich: Auch und gerade in Szenevierteln deutscher Großstädte kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen Homosexuelle. Besonders aus dem Hamburger Szene-Quartier St. Georg kamen in den vergangenen Monaten Meldungen über Angriffe und Pöbeleien von Muslimen gegen Schwule.

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Dass besonders in Vierteln mit hohem Migrantenanteil ein feindliches Klima für Schwule und Lesben vorherrscht, ist jetzt wissenschaftlich belegt: Jugendliche mit türkischen oder russischen Wurzeln lehnen Homosexuelle deutlicher ab als ihre deutschstämmigen Klassenkameraden. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Psychologen Professor Bernd Simon von der Universität Kiel angefertigte Studie im Auftrag des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD.

1000 Schüler befragt

Für die vom Bundesfamilienministerium finanzierte Untersuchung wurden im Sommer 2006 knapp 1000 Berliner Schüler befragt. Die Studie vergleicht die Einstellung deutscher Jugendlicher gegenüber Homosexuellen mit der von Jugendlichen mit türkischen und russischen Wurzeln. Die tief empfundene Abneigung werde nicht allein von Religiosität geprägt, sondern auch von traditionellen Männlichkeitsnormen, sagte Studienleiter Simon.

Mehr als drei Viertel der türkischen Jugendlichen empfinden einen Kuss zwischen zwei Männern als «abstoßend». Ähnlich verhält es sich bei der Gruppe der Jugendlichen aus Staaten der ehemaligen UdSSR. 50 Prozent der männlichen türkischen Jugendlichen würden zu schwulen Nachbarn lieber keinen Kontakt haben - bei den Deutschen sind es nur 16 Prozent.

«Alarmierende Befunde»

Die Studie zeigt auch direkte Ansätze auf, wie das Problem gelöst werden kann: So war die Homosexuellenfeindlichkeit bei Jugendlichen, die sich gut in die Gesellschaft integriert fühlen, geringer ausgeprägt. Und persönliche Kontakte zu Schwulen und Lesben tragen zum Abbau von Vorurteilen bei.

«Die Befunde der Studie sind alarmierend», sagte LSVD-Sprecher Günter Dworek. «Sie verweisen auf die Bedeutung von Religiosität und traditionellen Männlichkeitsnormen für die Prägung antihomosexueller Einstellungen.» Er warnte davor, die Homosexuellenfeindlichkeit als Bagatelle abzutun. Sie führe vielmehr zu negativen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Miteinander. «Besonders hart trifft es Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund. Durch massive Ablehnung in ihrer Herkunftsgruppe wird ihnen ein selbstbestimmtes Leben oft weitaus schwerer gemacht als Lesben und Schwulen im Allgemeinen», so Dworek.

Islam nicht stigmatisieren

Berlins Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke) erklärte, die Studienergebnisse seien «bedenklich für die weltoffene Stadt Berlin». Es gelte zu verhindern, dass aus Einstellungen Taten würden. Dafür sei viel «Akzeptanzarbeit» vor allem an Schulen notwendig. Die Stigmatisierung des Islam sei jedoch die grundfalsche Antwort, sagte Knake-Werner. «Man darf Homophobie nicht mit Islamophobie begegnen.»

Auch Eren Ümsal von der Türkischen Gemeinde in Deutschland warnte vor pauschalen Urteilen über Migranten und Muslime. Dabei kämen die Ergebnisse der Studie für sie jedoch nicht überraschend, sagte sie. «Wir unternehmen erste Schritte, um gegen Homosexuellenfeindlichkeit vorzugehen.»

 
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