24. Sep 2007 19:01
Eine Wiederholungstat war ausgeschlossen worden, nun soll sich ein katholischer Priester doch wieder an Jungen vergangen haben: Der Bischof von Regensburg gerät zusehends unter Druck.
Der Missbrauchsfall im Bistum Regensburg überschattet die Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Der Vorsitzende, Karl Kardinal Lehmann, sagte zum Auftakt am Montag, er wolle die Meinung der Bischofskonferenz erfragen und am Freitag eine Stellungnahme der Geistlichen vorlegen. «Auf meine persönliche Stellungnahme kommt es nicht so an, mich interessiert, wie alle anderen das sehen», sagte Lehmann.Die Bischofskonferenz könne allerdings nur empfehlen und nicht eingreifen, sagte Lehmann. Jedes Bistum sei für den Umgang mit Missbrauchsfällen oder Sanktionen allein verantwortlich. Der Kardinal wies zudem darauf hin, dass die Vorgänge vor der Zeit des unter Druck geratenen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller lägen und mahnte einen vorsichtigen Umgang mit dem Thema an.
Mit einer Mahnwache auf den Treppen des Domplatzes protestierten unterdessen Mitglieder der Kirchenvolksbewegung «Wir sind Kirche» gegen einen vertuschenden Umgang mit sexuellem Missbrauch sowie gegen die Genehmigung lateinischer Messen.Bischof Müller sagte am Rande der Tagung von 71 deutschen Bischöfen und Weihbischöfen, von einem Wiederholungsfall habe nach dem Gutachten, das den verdächtigen Geistlichen als «geheilt» eingestuft hatte, niemand ausgehen können. Er sprach von tragischen Ereignissen und lehnte eigene personelle Konsequenzen ab. Er habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.
Bei der Abhaltung von lateinischen Messen wird es für die 27 deutschen Bistümer keine einheitliche Regelung geben, wie Lehmann sagte. Die Bischofskonferenz werde zwar über einen zweiseitigen Text zu den Messen im tridentinischen Ritus diskutieren. Bei einer Verabschiedung sei die Neuregelung ab Oktober gültig.Da die Lage in den Diözesen sehr unterschiedlich sei, könne man ein solches Bischofspapier nur als Leitplanken zur Abgrenzung verstehen, «mit einer großen Straße für die diözesane Vorgehensweise in der Mitte». Der Kardinal erklärte, man wolle das Angebot des Papstes an die Menschen nicht unterlaufen, aber die Nachfrage sei geringer als gedacht.
Auf der Tagesordnung der Bischöfe stehen bis zum kommenden Donnerstagabend zudem unter anderem ein Rückblick auf die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Rumänien, die Vorbereitung der Bischofssynode 2008 in Rom sowie Personalentscheidungen. (AP)