24. Sep 2007 12:33, ergänzt 15:32
Bei einer Diskussionsveranstaltung hatte der Schriftsteller Wallraff eine Lesung aus Salman Rushdies «Satanischen Versen» vorgeschlagen. Seitdem erhält er Todesdrohungen.
Experten aus Sicherheitskreisen hätten ihm geraten, die Morddrohung ernst zunehmen, da unter anderem auf derselben Webseite islamistische Propaganda-Videos verbreitet wurden. Weder die Kölner Polizei noch die Staatsschutzbehörde wollten sich auf ddp-Anfrage am Montag dazu äußern.Bei einer Diskussionsveranstaltung hatte Wallraff im Sommer der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) eine Lesung aus Salman Rushdies umstrittenem Roman «Die Satanischen Verse» in der Kölner Moschee vorgeschlagen. Dieses Angebot sei von Seiten der Ditib mit Interesse aufgenommen worden.
Mittlerweile stellte Ditib klar, dass eine Rushdie-Lesung in der Kölner Moschee «sicherlich nicht in Frage» komme. Bei dem letzten gemeinsamen Treffen vor knapp zwei Wochen habe man sich mit Wallraff über den Charakter einer solchen Veranstaltung nicht einigen können, teilte die Organisation am Montag in Köln mit.
Wallraff will nun in die Türkei reisen und dort direkt mit der staatlichen Religionsbehörde verhandeln, deren deutscher Ableger die Ditib ist. Schon jetzt sei seine Idee ein Erfolg: «Die Kölner Moscheegemeinde hat sich als Erste in Deutschland öffentlich von dem Mordaufruf gegen Rushdie distanziert», betonte der Autor.
Wegen der Darstellung des Propheten Mohammeds in dem Buch war Rushdie im Jahr 1989 vom iranischen Staatschef und Religionsgelehrten Ayatollah Khomeini mit einer sogenannten Fatwa belegt worden. Damit wurden Moslems auf aller Welt zur Tötung des Schriftstellers aufgefordert. Rushdie lebte daraufhin mehrere Jahre unter Polizeischutz und an ständig wechselnden Wohnorten. Nach eigenen Angaben hatte Wallraff dem verfolgten Autor einige Zeit Unterschlupf gewährt. (ddp)