Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Beck verbittet sich Schäubles Fehl-Alarme

22. Sep 2007 16:56
Muss er mit der Kanzlerin reden, bevor Ruhe einkehrt? Kurt Beck
Bild vergrößern
Das Koalitionsklima ist deutlich abgekühlt, seit sich CDU-Minister mit umstrittenen Warnungen zur Sicherheitslage hervortaten. Die SPD warnt den Koalitionspartner vor «kurzfristigen Geländegewinnen».

SPD-Chef Kurt Beck hat die Union vor einer weiteren Eskalation des Koalitionsstreits gewarnt. Besonders scharf kritisierte Beck die öffentlichen Äußerungen von Innenminister Wolfgang Schäuble und Verteidigungsminister Franz Josef Jung zu terroristischen Bedrohungen. «Ich habe Herrn Schäuble dringend gebeten, nicht immer wieder Alarme auszulösen um diese anschließend zu relativieren», sagte Beck der «Welt am Sonntag». Das Verhalten der CDU-Minister nannte er «nicht akzeptabel».

Mehr in der Netzeitung:
Schäuble hatte vor einem nuklearen Terroranschlag gewarnt und hinzugefügt, man solle sich in der verbleibenden Zeit aber nicht in Weltuntergangs-Stimmung versetzen lassen. Allerdings schwächte er diese Interviewpassage vom vorigen Wochenende inzwischen ab. Sie sei von seinem Sprecher zugespitzter freigegeben worden als er sie gemeint habe. Jung hatte erklärt, er werde im Notfall den Befehl zum Abschuss eines von Terroristen gekaperten Passagierflugzeugs geben.

SPD-Chef Beck hielt Schäuble zudem vor, parteitaktisch zu agieren. «Leider hat man den Eindruck, dass die Warnungen von Herrn Schäuble nicht frei von parteipolitischem Kalkül sind», sagte der rheinland-pfälzische Regierungschef dem Blatt.

Vernünftiges Arbeitsklima

Ebenso kritisierte Beck Jungs Äußerungen über den Abschuss gekaperter Flugzeuge im Falle einer terroristischen Bedrohung. «Wir können nicht zulassen, dass der Oberbefehlshaber in Friedenszeiten einen Befehl in Aussicht stellt, den die Befehlsempfänger entsprechend ihrem Amtseid verweigern müssen», sagte Beck. «Herr Jung muss den Schaden, den er angerichtet hat, in Ordnung bringen.» Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), bekräftigte er im RBB-Inforadio, dass Soldaten einen solchen befehl verweigern müssten.

SPD-Fraktionschef Peter Struck riet Schäuble und Jung, künftig mehr Rücksicht auf die SPD-Positionen zu nehmen. «Dann können wir zu einem vernünftigen Arbeitsklima zurückkehren», sagte er der «Berliner Zeitung». Ohne konkreten Themenbezug sagte Struck, er sei manchmal «erstaunt, wie die Kanzlerin Debatten laufen lässt».

Auf dem Tiefpunkt

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte die Äußerungen der CDU-Sicherheitspolitiker, die «mit täglich neuen Meldungen versuchen, die Ängste der Menschen täglich neu zu mobilisieren». Dieses Politikfeld eigne sich nicht «für kurzsichtige parteipolitische Geländegewinne», sagte Steinmeier am Samstag auf dem Landesparteitag der baden-württembergischen SPD in Fellbach bei Stuttgart.

Die Stimmung in der großen Koalition ist damit auf einem Tiefpunkt angelangt. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte der «Westdeutschen Zeitung», die Stimmung in der Koalition habe einen Tiefpunkt erreicht, der «nicht mehr unterschreitbar» sei. Er warf der SPD vor, sie mache Oppositionsarbeit in der Regierung. (nz/dpa/AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Afghanistan-Konferenz: 
«Kabul muss konsequenter werden»
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.