CSU drängt Gabriele Pauli zu Parteiaustritt
20. Sep 2007 12:16
 |  Auf dem Weg Richtung Abgrund? Gabriele Pauli | Foto: dpa |
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Noch ist die Fürther Landrätin Pauli davon überzeugt, mit ihrem Vorschlag nach einer Ehe auf Zeit das richtige Thema angestoßen zu haben. Doch in ihrer Partei, der CSU, findet sie kaum Zuspruch.
In der CSU mehren sich Stimmen, die für die Fürther Landrätin Gabriele Pauli nach ihrem Vorstoß für befristete Ehen keinen Platz mehr in der Partei sehen. Nach CSU-Chef Edmund Stoiber legte nun auch dessen Stellvertreter Ingo Friedrich Pauli nahe, aus der Partei auszutreten. «Wer solche Vorstellungen äußert, gehört nicht mehr in die CSU», sagte Friedrich am Donnerstag in Brüssel. Pauli, die Ende nächster Woche für den CSU-Vorsitz kandidieren will, pfeife auf die Grundwerte der Partei. Sie habe jetzt den letzten Funken Seriosität verspielt. Es verstärke sich der Eindruck, dass die Landrätin «allein nach einem großen Medienecho giert».
Der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sprach der CSU-Politikerin jede Ernsthaftigkeit ab. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand in der CSU diese wirren Thesen unterstützt», sagte Beckstein dem Nachrichtensender N24. Die Kandidatin für den CSU-Vorsitz Pauli hatte am Vortag mit ihrer Forderung nach einer befristeten Ehe für Wirbel gesorgt.
«Frage für den Psychiater»
Beckstein sagte, die CSU-Reaktionen auf Pauli schwankten zwischen «comedy» und einer «Frage für den Psychiater». «Pauli hat sich völlig außerhalb der CSU positioniert.» Er könne sich nicht vorstellen, wer Paulis Kandidatur beim CSU-Parteitag noch unterstützen sollte. Paulis Programm zeichne sich durch eine «entsetzliche Oberflächlichkeit» auch in religiösen Fragen aus.
Pauli hatte bei der Vorstellung ihrer programmatischen Schwerpunkte gefordert, nach sieben Jahren solle eine Ehe auslaufen. Nach dieser Zeit sollten sich beide Partner «aktiv» für eine Verlängerung aussprechen. Auch CSU-Chef Edmund Stoiber legte ihr daraufhin nahe, sich eine um die um Aufnahme in eine andere Partei zu bemühen.
«Zumutung in der Politik»
Der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen ging noch weiter und forderte von der CSU einen Parteiausschluss der Fürther Landrätin. «Eine solche Politikerin ist eine Belastung sicher für die CSU und ich denke, die CSU sollte irgendwann auch einmal deutlich sagen, wir machen hier eine Trennung», sagte Algermissen dem Sender Hit Radio FFH. Paulis Vorstoß für eine Befristung der Ehe widerspreche dem Grundgesetz, aber auch allem, was die Kirche über den Schutz der Ehe und die Moral formuliert habe. «Frau Pauli ist wirklich eine Zumutung in der Politik», fügte der Bischof hinzu.
Mit einiger Verärgerung kommentierte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, die neuerliche Debatte über Pauli. Er kritisierte vor allem, dass sich die Medien ausgerechnet für diese Personalie interessierten und nicht für die politischen Fragen, um die sich die CSU kümmere. Das Thema Pauli spiele eine geringe Rolle - weniger als «der Dreck unter den Fingernägeln», sagte Ramsauer im Hörfunk des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB).
«Wir müssen viel ertragen»
Einigermaßen gelassen wurde Paulis Vorstoß in der der CSU-Landtagsfraktion aufgenommen. «Das es so schlimmen kommt, überrascht selbst mich», sagte der CSU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des CSU-Kreisverbandes Ansbach-Stadt, Klaus-Dieter Breitschwerdt, im Gespräch mit Netzeitung.de. Doch die CSU sei eine Partei mit 180.000 Mitgliedern, «da müssen wir einfach viel ertragen». Den Vorschlag Paulis halte er allerdings auch für «abwegig» und für nicht mehrheitsfähig, betonte Breitschwerdt, der auch Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der CSU-Landtagsfraktion ist. «Das ist eine totale Einzelmeinung.»
Pauli sieht Unterstützer
Zurückhaltend äußerte sich der CSU-Politiker zu Forderungen, Pauli solle die Partei verlassen. «Ich glaube, dass Problem wird sich von selbst erledigen», sagte Breitschwerdt. Mit Blick auf Paulis Kandidatur für den CSU-Vorsitz fügte der Landtagsabgeordnete hinzu: «Ich rechne mit einer massiven Niederlage für Frau Pauli. Sie wird dann erkennen, dass sie in der CSU mit ihren politischen Vorstellungen nicht weiter kommt und irgendwann selbst die Konsequenzen ziehen.»Pauli sieht hingegen ungeachtet der massiven Kritik Unterstützung für ihre Überlegungen bei Partei-Anhängern und Bürgern. Ihre Forderung sei «nicht abwegig», sagte Pauli auf N24. Viele Ehen würden nur noch «nach außen geführt» und seien «innen kaputt». Mit ihrem Vorschlag könnten Ehen einfacher, ohne Streitereien vor Gericht und ohne Prozesskosten aufgelöst werden.
Pauli bekräftigte zugleich ihre Kandidatur. «Es geht mir darum, Vorsitzende zu werden.» Wenn der Parteitag sie kommende Woche nicht unterstütze, brauche es vielleicht «noch ein bisschen Zeit». (nz/ddp/dpa)