Pauli erntete für ihren Vorschlag einer Ehe auf Zeit Empörung in der CSU und der katholischen Kirche. Stoiber legte ihr den Austritt aus der Partei nahe. Wer eine zeitlich befristete Ehe fordert, stelle sich «geradezu aggressiv konträr» gegen die Position der CSU, sagte er in Kloster Banz in Bad Staffelstein. Paulis Position sei bisher nicht einmal von den Grünen «oder bei exotischeren Parteien» vertreten worden. Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth bezeichnete die Forderung von Pauli als «ausgemachten Schmarrn». Am Rande der Herbstklausurtagung der bayerischen Grünen in Bamberg sagte Roth, wenn Pauli schon die Befristung der Ehe fordere, dann solle sie es konsequent weiterdenken. «Dann soll sie gleich noch das Rotationsprinzip fordern, dass man nach sieben Jahren dann mit dem Partner rotiert.»Landtagspräsident Alois Glück (CSU) sagte: «Diese Kandidatur wird zur Provokation.» Die katholische Kirche in Bayern warnte vor einem «Zerreden» der Institution Ehe.
Pauli sieht sich trotz ihrer den CSU-Grundsätzen widersprechenden Forderungen in der richtigen Partei. «Das Programm der CSU ist im Wesentlichen meines, es gibt nur wenige Dinge, die ich anders sehe.» Sie warf der CSU Entfremdung von den Bürgern vor. Die Politik «von oben herab» müsse sich ändern. Mit ihrer Kandidatur wolle sie ein Signal dafür geben, Politik wieder «wahrhafter und glaubwürdiger» zu machen. Pauli sprach sich bei der Vorstellung ihres Wahlprogramms auch gegen das von einem Großteil der CSU geforderte Betreuungsgeld für Eltern aus, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen.
Stoiber äußerte sich in Bad Staffelstein nach Angaben mehrerer CSU-Abgeordneter lobend über Huber. Stoiber habe Hubers jahrelange Arbeit an seiner Seite als Staatskanzleichef hervorgehoben und ihn als glänzende Besetzung bezeichnet. Stoiber habe auch die Vorzüge von Parteivize Horst Seehofer hervorgehoben, doch sei eine Präferenz für Huber zu erkennen gewesen.
Nach den häufigen Spannungen der vergangenen Monate nahmen die Abgeordneten Stoibers versöhnliche Rede mit großem Beifall auf. Stoiber wünschte seinen Nachfolgern ausdrücklich alles Gute. Die Fraktion sei für ihn «mehr als eine politische Heimat». Wenn sein Rat gefragt bleibe, stehe er selbstverständlich zur Verfügung. (dpa)