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Kardinal Meisner fühlt sich missverstanden

18. Sep 2007 16:18, ergänzt 18:07
Kardinal Joachim Meisner
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Der Kölner Erzbischof hat bedauert, dass seine Äußerung zum Verhältnis von Kunst und Religion zu Missverständnissen geführt hat. Er sei in verkürzter Form wiedergegeben worden, sagte Kardinal Meisner.

Kardinal Joachim Meisner bedauert, dass seine Aussage über angeblich «entartete» Kultur zu «Missverständnissen» geführt habe. In einem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt Meisner, das von ihm im Zusammenhang mit Kunst gebrauchte Wort «entartet» habe «in der verkürzten Form des aus dem Zusammenhang gelösten Zitats Anlass zu Missverständnissen gegeben». Dies bedauere er. Für die Substanz seiner Aussage sei der Begriff «entartet» nicht notwendig gewesen. Der Kölner Kardinal hatte am Freitag in einer Predigt gesagt: «Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.»

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  • Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte die Klarstellung. Das von Meisner geäußerte Bedauern sei für einen Mann in seiner Position eine «Riesenleistung», sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der «Kölnischen Rundschau». Der Vorwurf, Meisner sei ein geistiger Brandstifter, den Kramer geäußert hatte, sei damit «vom Tisch». Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch, hatte gewarnt, dass sich rechtsgerichtete junge Leute Meisners Gebrauch des Wortes «entartet» zum Vorbild nehmen könnten. «Das ist ein Begriff, den die Nationalsozialisten in Bezug auf jüdische Kunst und Kultur gebraucht haben», sagte Knobloch.

    In seinem Beitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt Meisner (73), es sei eine «Pervertierung» des Menschen, wenn er seine «Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne- Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten».

    In diesem Zusammenhang habe er den von den Nationalsozialisten missbrauchten Begriff der «Entartung» gebraucht. Er habe damit «gegen diese und alle Formen totalitärer Kulturen» gesprochen, «um sie mit ihrem eigenen Vokabular zu kennzeichnen und zu entlarven: Kultus und Kultur - im Sinne von Gottesverehrung und Gesellschaft - nehmen Schaden, wenn Gott nicht mehr in der Mitte steht.»

    Kramer sagte dazu, er hätte sich gewünscht, es wäre gar nicht zu dem Missverständnis gekommen. «Hätte der Kardinal seine Überlegungen über das Verhältnis von Kultur und Religion so formuliert, wie er es jetzt getan hat, dann wäre ihm und mir dieses Missverständnis erspart geblieben.» Nach wie vor sei es aber bedauerlich, dass Meisner den von den Nationalsozialisten besetzten Begriff «entartet» überhaupt verwendet habe, denn so sinke in der Öffentlichkeit die Hemmschwelle, solche Begriffe zu benutzen.

    Meisner hatte aber nicht nur eine Debatte darüber ausgelöst, ob ein hoher kirchlicher Würdenträger Begriffe aus dem Propagandaarsenal der Nazis verwenden darf. In Kommentaren war auch die Frage aufgeworfen worden, ob eine Kultur und eine Gesellschaft ohne Gottesbezug tatsächlich ihr Wesen verlieren. Der Schriftsteller Ralph Giordano bezeichnete in der «Kölnischen Rundschau» die Auffassung, Kunst sei ohne Gottesnähe nicht möglich, als «empörend und inquisitorisch» und fügte hinzu: «Die größten künstlerischen Werke sind auch von gottesfernen Leuten geschaffen.»

    Die Bezeichnung «entartet» ist untrennbar mit der Propaganda und Hetze der Nationalsozialisten verbunden. Sie hatten rund 16 000 moderne Kunstwerke - vor allem expressionistische und abstrakte Kunst - beschlagnahmt und zum Teil zerstört. Viele Künstler wurden von den Nazis verfolgt und mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt. (dpa)

     
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