18.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bundeswehr in Afghanistan
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zwar gab es zuletzt weniger Tote, doch die «Qualität der Anschläge» in Afghanistan hat sich nach Ansicht eines deutschen Kommandeurs deutlich verändert. Sorgen machen Sprengfallen und Selbstmordattentäter.
Die radikal-islamischen Taliban haben nach Erkenntnissen der Bundeswehr ihre Taktik geändert und den Einsatz für die deutschen Soldaten in Nordafghanistan gefährlicher gemacht. «2007 gab es zwar weniger Vorfälle als 2006, und zwar deutlich weniger», sagte der deutsche Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in der Nordregion, General Dieter Warnecke, der Nachrichtenagentur dpa in Masar-i-Scharif. «Aber die Qualität der Anschläge hat sich deutlich verändert.» Sie seien nun «bedauerlicherweise noch hinterhältiger und mit viel mehr Effekt für Medien und für die Öffentlichkeit».
«Wir haben viel, viel mehr spektakuläre Todesfälle jetzt», sagte Warnecke, der auch Kontingentführer der Bundeswehr-Soldaten in ganz Afghanistan ist. Der Einsatz sei gefährlicher geworden, weil man sich gegen Selbstmordanschläge und Sprengfallen der Taliban nur schwer schützen könne.
Die Auslandsmissionen der Bundeswehr in Afghanistan beschäftigen demnächst den Bundestag. Vor allem in der SPD und bei den Grünen ist nicht klar, wie viele Abgeordnete für eine Fortsetzung stimmen werden. Die Bundeswehr ist mit rund 3000 Soldaten an der Nato-Friedensmission Isaf beteiligt und führt im Norden Afghanistans auch das Kommando. Im Süden helfen Tornado-Jets der Bundeswehr bei der Luftaufklärung. Die umstrittenste Mission ist die Beteiligung an der Anti-Terror-Mission «Operation Enduring Freedom», an der bis zu 100 Elite-Soldaten der Bundeswehr-Truppe KSK teilnehmen dürfen.
Aufgehen wäre falschTrotz der Differenzen sprach sich Warnecke eindringlich für eine Fortsetzung des Einsatzes aus, über die der Bundestag im Oktober abstimmt. «Wir sind nicht zufrieden, wie die Lage jetzt ist. Die anderen kämpfen mit allen Möglichkeiten, die sie haben, auf perfide Art und Weise. Wir müssen durchhalten. Wir müssen dagegenhalten.»
Bereits mehrere deutsche Polizisten und Soldaten starben bei Anschlägen in Afghanistan. Warnecke meinte, Deutschland müsse sich «immer bewusst sein, welchen Preis wir bereit sind zu zahlen». Forderungen nach einem Abzug der Deutschen aus dem Land nachzugeben, hält der Kommandeur für falsch. «Wenn wir jetzt aufgeben würden, dann hätten wir die Frage zu beantworten, wofür sind die Soldaten gestorben - die deutschen Soldaten und die vielen alliierten Soldaten, die im Süden und Osten täglich sterben.»
Ein Abzug hätte auch schlimme Folgen für Land und Leute. «Das, was wir bis jetzt geleistet haben, würde aufs Spiel gesetzt», sagte Warnecke. Die Diskussion um den Einsatz ist seiner Ansicht nach auch eine Folge falscher Kommunikation. «Unsere Politik ist damit aufgefordert, diesen Einsatz deutlich zu erklären, warum wir das hier tun, und sie muss auch aufzeigen, welchen Preis wir hier zahlen.» (nz/dpa)