Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Opposition fordert Jung zum Rücktritt auf

17. Sep 2007 13:33
Sieht sich im Einklang mit dem Verfassungsgericht: Franz Josef Jung
Bild vergrößern
Mit der Ankündigung, entführte Passagierflugzeuge abzuschießen, sei Verteidigungsminister Jung nicht mehr tragbar, findet die FDP. «Der muss weg», fordert Grünen-Chef Bütikofer.

Nach der umstrittenen Ankündigung zum Abschuss entführter Passagierflugzeuge sieht sich Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Wenn Jung seine «unsäglichen Äußerungen» nicht zurücknehme, sei er als Minister nicht mehr tragbar, sagte die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) der Münchener «Abendzeitung».

Die Ankündigung sei «nicht hinnehmbar», sagte die bayerische FDP-Chefin und verlangte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse ihren Minister dringend zur Ordnung rufen. Der Verteidigungsminister äußere die Bereitschaft, gegebenenfalls ein Verbrechen zu begehen und Piloten vorsätzlich zum Totschlag anzustiften, sagte Leutheusser-Schnarrenberger.

«Der muss weg»

Mehr in der Netzeitung:
Auch die Grünen forderten Jungs Rücktritt. Das Bundesverfassungsgericht habe klar entschieden, dass ein mit Passagieren besetztes Flugzeug nicht abgeschossen werden dürfe, betonte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer im Fernsehsender n-tv. «Wenn jetzt der Minister einfach so tut, als gehe ihn das nichts an, und wenn er bestimmt, die freiheitlich demokratische Grundordnung sei in Gefahr, dann müsse er sich auch nicht mehr daran halten, dann ist das schlicht bodenlos», sagte Bütikofer. «Ich finde ein solcher Minister kann keine Verantwortung tragen, der muss weg.»

Jung hatte in einem Interview gesagt, bei einem von Terroristen entführten Flugzeug müsse er im Notfall vom Recht des «übergesetzlichen Notstands» Gebrauch machen. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2006 einen entsprechenden Passus des Luftsicherheitsgesetzes für verfassungswidrig erklärt. Die Verfassungsrichter verboten damals die Abwägung «Leben gegen Leben» als Verstoß gegen das Grundgesetz.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm betonte am Montag in Berlin, die Bundesregierung habe noch keine Lösung für den Fall, dass Terroristen Flugzeuge entführen und als Waffe einsetzen wollen. Die Gespräche in der Koalition auf der Basis eines Vorschlags des Innenministeriums seien noch nicht beendet, sagte Wilhelm.

«Politische Absichtserklärung»

Jung selbst sieht sich im Einklang mit dem Verfassungsgericht in Karlsruhe. «Ich argumentiere auf der Basis des Bundesverfassungsgerichts», sagte der Minister am Montag am Rande der Berliner Sicherheitskonferenz. Er warb für einen Konsens mit dem Koalitionspartner SPD. «Bis dahin gilt das Recht des übergesetzlichen Notstandes», betonte der CDU-Politiker.

Dagegen unterstrich der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, am Rande der Konferenz, das Verfassungsgericht habe «messerscharf» gesagt, dass nicht Leben gegen Leben abgewogen werden dürfe. Gertz betrachtet nach eigener Aussage Jungs Vorstoß allerdings in erster Linie als «politische Absichtserklärung», um die Debatte mit der SPD in dieser Frage voranzubringen.

Auch Gertz verwies allerdings auf das Problem, dass ein Bundeswehrsoldat einen Befehl nicht ausführen dürfe, wenn dieser eine Straftat bedeute. «Wenn er es dennoch tut, tut er es auf eigenes Risiko» und könne sich etwa wegen Totschlags «auf der Anklagebank wiederfinden», sagte Gertz mit Blick auf die Piloten. (nz/dpa/ddp/AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.