10. Sep 2007 14:34, ergänzt 15:11
Forschungsministerin Schavan will die Arbeit mit embryonalen Stammzellen langfristig überflüssig machen. So dürfte sich auch der Streit um den umstrittenen Stichtag im Stammzellgesetz erledigen.
Von Stammzellen erhoffen sich die Forscher Heilungschancen für Patienten, die an bisher unheilbaren Krankheiten leiden. Die adulten Stammzellen von erwachsenen Menschen, die sich unter anderem im Knochenmark, im Gehirn und im Nabelschnurblut finden, können unterschiedlichste Arten von Ersatzzellen bilden. Embryonale Stammzellen gelten als leistungsfähiger, doch bei ihrer Gewinnung werden Embryonen «verbraucht», das heißt getötet, die in der Regel bei künstlicher Befruchtung übrig geblieben sind. Dieses Verfahren ist ethisch umstritten. Deutsche Forscher dürfen im Gegensatz zu vielen ausländischen Kollegen nur mit embryonalen Stammzellen arbeiten, die vor Ende 2001 entstanden. Zun sie es doch, etwa im Ausland, droht ihnen Strafe. Einheimische Forscher befürchten seit Jahren, international abgehängt zu werden, wenn sie nicht uneingeschränkt an embryonalen Stammzellen forschen dürfen.
Schavan unterstrich, Deutschland solle weiter bei der adulten Stammzellforschung in der Spitzengruppe bleiben. Mit dem Förderprogramm werde sie die Isolierung von adulten Stammzellen, die Erweiterung ihres Potenzials und die Entwicklung neuer Verfahren zu ihrer Gewinnung unterstützen.
Forschungsexperten wie die Linkspartei-Forschungspolitikerin Petra Sitte wandten ein, Schavan dürfe die Forschungen an den beiden Zelltypen nicht gegeneinander ausspielen. Nur wenn die Forscher auch weiter an embryonalen Zellen arbeiten dürften, sei ein Vergleich der Eigenschaften wirklich möglich. Sitte plädierte auch dafür, die Kooperation deutscher Forscher mit ihren ausländischen Kollegen rechtssicher zu gestalten, also ihnen Klarheit zu verschaffen, was drohende Strafen betrifft.