Hintermänner des Terrors mit Hochdruck gesucht06. Sep 2007 12:34  |  Einer der am Dienstag Festgenommenen
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Mit den Festnahmen im nordrhein-westfälischen Oberschledorn ist für die Ermittler nur der Kern der Terrorzelle zerstört. Intensiv suchen die Fahnder nach mindestens zehn weitere Personen.
Nach der Festnahme von drei Terrorverdächtigen in einem Ferienort im Sauerland fahnden Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) mit Hochdruck nach Komplizen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen zehn weitere Mitglieder eines von den Fahndern vermuteten Netzwerks. Viel wollen oder können die Sicherheitsbehörden noch nicht sagen. «Es sind Deutsche, es sind Türken und es gibt noch andere Nationalitäten. Das ist das Netzwerk, das wir bisher kennen», sagte Innenstaatssekretär August Hanning am Donnerstag in der ARD. Die Ermittler versuchen, alle Personen im Hintergrund der vereitelten Terrorpläne zu identifizieren. Sie suchen die Islamisten zum Teil «in Deutschland, zum Teil auch im Ausland».
Am Mittwoch war die Festnahme von drei zum Islam übergetretenen Terrorverdächtigen bekannt geworden. Es waren zwei zwischen 21 und 28 Jahre alten Deutsche und ein Türke, die in einem Ferienhaus im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen begonnen hatten, aus einer Dreiviertel Tonne Wasserstoffperoxid Sprengstoff zu fabrizieren. Die Ermittler rechnen sie der «Islamischen Dschihad-Union» zu, einer in Usbekistan entstandenen Terrorgruppe, die auch zu Osama Bin Ladens Al-Qaeda-Netzwerk Verbindungen haben soll.
In Richtung Flughäfen Mit den Festnahmen vereitelten die Sicherheitsbehörden mehrere, gleichzeitig geplante Autobomben-Anschläge, so genannte «serielle Anschläge», wie der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, sagte. Ziel sollten von US-Bürgern genutzte Einrichtungen und Zentren sein, Restaurants, Diskotheken, Flughäfen. «Es bestand konkret keine Gefährdung von Flughäfen, aber die Absicht der Täter ging in diese Richtung», sagte Ziercke.
Nun sei nach der Festnahme des Trios zwar die akute «Gefahrenspitze abgebrochen», die Bedrohung aber noch nicht beseitigt. Staatssekretär Hanning ergänzte, zwar gehe von der «konkreten Zelle» keine Gefahr mehr aus, es bleibe jedoch «der Auftrag, in Deutschland Anschläge durchzuführen, und dieser Auftrag beunruhigt uns».
Seit längerem beunruhigt Die Gefahr sehen Sicherheitsbeamte deutlich steigen. «Der Kreis der potenziell gefährlichen Personen, die polizeilich beobachtet werden müssen, wird immer größer», sagte der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, im Hinblick auf die erreichten Leistungsgrenzen der Einheiten. In Deutschland gebe es zwischen 70 und 80 so genannte Gefährder, also potenzielle Terroristen. Die «Welt» nennt unter Berufung auf das BKA eine Zahl von insgesamt 890 in Deutschland lebenden Personen mit islamischem Hintergrund, die als potenziell gefährlich gelten. Die Zahl der gewaltbereiten Islamisten wird gar auf rund 3000 geschätzt.
Politik und Sicherheitsbehörden sind seit längerer Zeit beunruhigt, weil hierzulande festgenommene Terrorverdächtige nicht aus dem Ausland kamen, wie etwa bei den Vorfällen des 11. September oder bei den versuchten Kofferbomben-Anschlägen in Nordrhein-Westfalen. Zunehmend hegen auch Deutsche Terrorpläne. Der sogenannte «homegrown terrorism» (hausgemachte Terrorismus), wie er auch in Großbritannien bekannt sei, sei auch in Deutschland ein Problem, sagte BKA-Chef Ziercke. Man müsse stärker in die Milieus vordringen, in denen diese jungen Menschen aufwüchsen. Dazu bedürfe es des Dialogs mit den islamischen Gemeinden. (nz/dpa/AP)
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