Schnappauf soll Gammelfleisch gleich mitnehmen
05. Sep 2007 07:58, ergänzt 09:56
 |  Bayerns Verbraucherminister Werner Schnappauf (l.) und Ministerpräsident Edmund Stoiber | Foto: dpa |
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Mit Beifall reagiert Bayerns Opposition auf den möglichen Wechsel von Umweltminister Schnappauf in die Industrie. Die SPD hofft, damit noch ein weiteres Problem los zu sein, berichtet
Dietmar Neuerer.
Der angebliche Wechsel des bayerischen Umweltministers Werner Schnappauf (CSU) zum Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ist von der Opposition im Freistatt als überfällig bezeichnet worden. «Es ist gut, dass er Bayern verlässt und das Gammelfleisch hoffentlich mit ihm», sagte der Vorsitzende der Bayern-SPD, Ludwig Stiegler, im Gespräch mit Netzeitung.de. «Dem BDI spreche ich schon jetzt mein herzlich empfundenes Beileid aus.»
Die Vorsitzende der bayerischen FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sagte im Gespräch mit Netzeitung.de.: «Er ist ein absolut glückloser Minister gewesen.» Daher begrüße sie Schnappaufs Abgang. Gleichwohl bezweifelte die FDP-Politikerin, dass der BDI mit dem CSU-Mann «die richtige Wahl getroffen» habe. Denn Schnappauf sei jemand, «der schwierige Situationen wie den Gammelfleischskandal nie in den Griff gekriegt hat». Leutheusser-Schnarrenberger mutmaßt daher, «vielleicht geht es dem BDI gar nicht um die fachliche Qualifikation, sondern mehr um den politischen Kontakt».
Stoiber über Wechsel informiert
Schnappauf bestätigte «Focus Online», dass er bei der Wahl des BDI-Hauptgeschäftsführers am 24. September kandidieren wird. An dem Tag müssten der Vorstand und das Präsidium des BDI sich übereinstimmend auf einen neuen Geschäftsführer festlegen, sagte Schnappauf dem Online-Dienst. Zuvor hatte schon die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, das Schnappauf neuer Geschäftsführer des Verbands werden will.Die Münchner «Abendzeitung» berichtete unter Berufung auf Kabinettskreise, Schnappauf habe am Dienstag Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und seinen Nachfolger Günther Beckstein bereits über seinen Wechsel zum BDI informiert. Der BDI- Spitzenposten ist seit längerem vakant. Der 54-jährige Schnappauf, der auch das Verbraucherschutzressort leitet, steht wegen der zahlreichen Gammelfleisch-Skandale im Freistaat in der Kritik.
Der SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget sagte, der CSU-Politiker komme vermutlich seinem Rücktritt zuvor. «Er hat eine ganze Serie von Fehlern und Skandalen zu verantworten, für die er ohnehin schon längst hätte zurücktreten müssen», sagte Maget und fügte hinzu: «Herr Schnappauf war ein schwacher Minister.» Er sei in den vergangenen Monaten kein Schützer, sondern eher eine Gefahr für die Verbraucher gewesen.
Söder als Nachfolger im Gespräch
Auch die Grünen begrüßten die Meldung über den angeblichen Wechsel. «Bayern wäre viel erspart geblieben, wenn Schnappauf schon zu Beginn seiner Serie von Pfusch und Pannen zurückgetreten wäre», sagte Landtagsfraktionschef Sepp Dürr. Der Grüne legte dem CSU-Politiker zahlreiche bayerische Gammelfleisch-Skandale ebenso zur Last wie den Streit um den Abschuss des Braunbären Bruno im vergangenen Jahr. «Schnappauf hat sich noch vor Erreichen der Restlaufzeit selbst stillgelegt», sagte Dürr. SPD-Oppositionsführer Maget kritisierte indes, dass nun der CSU-Generalsekretär Markus Söder als neuer Umwelt- und Verbraucherminister im Gespräch sei. «Herrn Söder für seine bisherige Arbeit bei der CSU mit einem Kabinettsposten zu belohnen, ist schlecht für Bayern und wäre ein denkbar unguter Start für Beckstein als neuer Ministerpräsident.»
Zu Söder äußerte sich auch Leutheusser-Schnarrenberger skeptisch. «Herr Söder hat bisher nicht gezeigt, dass er ministrabel ist», sagte sie. «Er ist Lautsprecher der CSU. Nun müsste er anfangen, sich mit Fachfragen zu beschäftigen.» Sollte er tatsächlich Minister werden, prophezeie sie ihm einen «schwierigen Start».
Für das Web ediert von Dietmar Neuerer