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Bis zu 180 Tonnen Gammelfleisch in Umlauf

31. Aug 2007 10:22, ergänzt 13:08
Fleischbeschau
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Der Fleischskandal um eine Firma im schwäbischen Wertingen hat weit größere Ausmaße als bislang angenommen. Ein Lebensmittelexperte zeigt sich von der Entwicklung nicht überrascht.

Der Fleischskandal um eine Firma im schwäbischen Wertingen hat weit größere Ausmaße als bislang angenommen. Die stellvertretende Leiterin der Staatsanwaltschaft Memmingen, Renate Thanner, sagte am Freitag auf ddp-Anfrage, der Hauptverdächtige habe weitere sieben bis acht Lieferungen à 20 Tonnen von umetikettiertem Fleisch seit Juni 2006 gestanden. Es sei seinen Angaben nach an vier Firmen in Berlin gegangen. Die örtlichen Behörden seien informiert worden.

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Damit könnten statt der bislang bekannten 20 Tonnen bis zu 180 Tonnen von «nicht für den Verzehr geeigneter» Ware in Umlauf gebraucht worden sein. Die Wertinger Firma habe eigentlich keine Genehmigung zum Umgang mit sogenanntem K3-Fleisch gehabt, das nur für Tiernahrung verwendet werden darf. Die Ware sei bei dem Betrieb als K3-Material angekommen, und der Hauptbeschuldigte habe dann «die Etiketten weggemacht und selbstständig umetikettiert», sagte Thanner. Sämtliches Fleisch sei von einer Firma aus Schleswig-Holstein gekommen, die sich durch die Lieferung aber nicht strafbar gemacht habe.

Die Staatsanwaltschaft habe «eine Unmenge Unterlagen sichergestellt, die nach und nach ausgewertet» würden, sagte Thanner. Die gegenwärtigen Erkenntnisse beruhten auf Vernehmungen des Beschuldigten.

Teuer nicht gleich gut

Der Lebensmittelexperte Udo Pollmer zeigte sich von alledem nicht überrascht. Nach seiner Ansicht wird es für Zwischenhändler und Verbraucher immer schwieriger, die Qualität einer Ware zu erkennen. «Es gibt oftmals keine Verbindung mehr zwischen Qualität und Preis», sagte er dpa. «Die Marktpreise sind nicht die Herstellungspreise. Wenn ein Produkt teuer ist, heißt es noch nicht, dass es gut ist.»

Verantwortlich ist für ihn die zu lasche Kontrolle. Der bayerische Fall müsse Konsequenzen bei der Lebensmittel- Kontrolle haben. Diese sei bei regionalen Behörden in falsche Hand. «Die Kontrolle gehört zentral nach Berlin. Bisher ist Herr Seehofer in dieser Frage ein General ohne Armee», beklagte der wissenschaftliche Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (München) mit Blick auf Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU).

Der Hauptbeschuldigte im neuesten Skandal ist der Ehemann der Geschäftsführerin der Firma. Er gab in Befragungen an, weder seine Frau noch die Abnehmer hätten von der Umetikettierung gewusst. Laut Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) «ist Wertingen nur ein Puzzlestück». Es gebe möglicherweise einen «größeren Zusammenhang», sagte er der «Passauer Neuen Presse», ohne nähere Angaben zu machen. (nz/ddp/dpa)

 
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