netzeitung.deRevision im Prozess um Rekruten-Misshandlung

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Mit gesenktem Kopf im Gerichtshof (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit gesenktem Kopf im Gerichtshof
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Im bislang größten Strafprozess in der Geschichte der Bundeswehr waren anfangs 17 Ausbilder und der Kompaniechef angeklagt. Gegen vier Ausbilder wurde bereits Urteile gesprochen.

Zwei Tage nach den ersten Urteilen im Prozess um die Misshandlung von Bundeswehr-Rekruten in Coesfeld hat die Staatsanwaltschaft Münster in drei Fällen Revision eingelegt.

Diese richtet sich gegen die Freisprüche für zwei Soldaten und die Verurteilung eines weiteren Mannes zu einer Geldstrafe von 2400 Euro nur wegen entwürdigender Behandlung, sagte Münsters Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer am Mittwoch.

«Wir streben eine Verurteilung wegen Körperverletzung, entwürdigender Behandlung und Misshandlung von Untergebenen an.» Der am meisten belastete 27 Jahre alte Ausbilder war zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil richte sich die Revision nicht.

Bei der Fortsetzung des Prozesses am Mittwoch gegen elf weitere Ex-Ausbilder berichtete ein Zeuge erneut von Übergriffen auf Rekruten. Der frühere Hilfsausbilder sagte nach Angaben eines Gerichtssprechers bei der Verhandlung am Landgericht Münster, dass ein Rekrut ohne Helm gewaltsam mit dem Kopf gegen eine Wand geschlagen worden sei.

Zudem seien die Genitalien eines Rekruten fotografiert worden. Im Prozessverlauf hatten ehemalige Rekruten bereits von anderen Übergriffen berichtet, diese aber teils als nicht demütigend beschrieben. Zu der Revision der Staatsanwaltschaft sagte deren Sprecher Schweer weiter, «wir fühlen uns bestärkt durch den Eröffnungsbeschluss des Oberlandesgerichts».

Im Vorfeld des Prozesses hatten die Münsteraner Richter im Dezember 2005 einen Teil der Anklage gegen neun Beschuldigte nicht zugelassen. Erst das Oberlandesgericht Hamm setzte durch, dass alle Anklagepunkte verhandelt werden mussten. Außerdem sei die Staatsanwaltschaft von den am Montag mündlich vorgetragenen Urteilsgründen nicht überzeugt.

Im bislang größten Strafprozess in der Geschichte der Bundeswehr saßen anfangs 17 frühere Ausbilder und ihr Kompaniechef auf der Anklagebank. Sie sollen bei simulierten Geiselnahmen im Sommer 2004 auf dem Standortübungsplatz Coesfeld im Münsterland 163 Rekruten gefesselt und gedemütigt haben. Gegen elf Angeklagte geht der Prozess weiter, mit Urteilen wird erst gegen Ende des Jahres gerechnet. (dpa)