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Attacken auf Ausländer sind Alltag

27. Aug 2007 17:59, ergänzt 18:55
Hat viel zu tun in Deutschland: Polizei
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Eine Woche nach der ausländerfeindlichen Hatz auf Inder im sächsischen Mügeln wird klar: Fremdenfeindliche Attacken sind eine Alltagserscheinung. Zumindest die Polizeiberichte erwecken den Anschein.

Interview:
Der Effekt ist bekannt, seitdem in Pariser Vorstädten Autos brannten: Kaum spricht man über sie, häufen sich die Vorfälle. Zumindest scheinbar, denn meist steigt nur die Sensibilität der Öffentlichkeit. Denn Autos brennen regelmäßig und überall. Eine Woche nach der Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln ist klar: Ausländerfeindlichkeit gibt es überall zwischen Main und Oder. Polizei und Staatsschutz ermitteln inzwischen die Hintergründe mehrerer möglicherweise fremdenfeindlicher Attacken. Gut eine Woche nach Mügeln gibt es aus mehreren Orten in Ost und West Polizeimeldungen über Auseinandersetzungen, bei denen Ausländer oder fremdländisch aussehende Menschen verletzt wurden.

Mehr in der Netzeitung:
So etwas wie in Mügeln könne überall passieren, hatte der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU)am Wochenende auf Netzeitung.de gesagt. Die Ereignisse bestätigen ihn: Im rheinhessischen Guntersblum, wo in der Nacht zum 19. August bei einem Weinfest ein Sudanese und ein Ägypter unter anderem mit einer Weinflasche verletzt worden waren, haben indes zwei Verdächtige ihre Mitwirkung an dem Übergriff gestanden. Nach ersten Ermittlungen hatten sich die Männer in einer sechsköpfigen Gruppe mit den Worten «Wir machen die Neger platt» auf die beiden Afrikaner gestürzt.

Treppe hinunter gestoßen

Nach Ausschreitungen am Rande eines Volksfests in Bützow (Mecklenburg-Vorpommern) am Wochenende berichtete der pakistanische Betreiber des angegriffenen Imbissladens der Nachrichtenagentur dpa, er habe Todesangst gehabt. Aus der Menge seien anti-türkische Beleidigungen gekommen und auch der Satz: «Wir kommen hoch und machen dich fertig.» In der Nacht zum Samstag waren rund 40 Menschen randalierend durch Bützow gezogen, darunter laut Polizei auch Anhänger der rechten Szene. Dennoch lägen keine Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat vor, hieß es bei der Behörde.

In der Innenstadt von Chemnitz beleidigte und verletzte ein Unbekannter am Sonntag eine 40- jährige Asylbewerberin aus Afghanistan. Ein Mann habe die Frau, die mit ihren zwei Kindern und einer Begleiterin unterwegs war, eine Treppe hinunter gestoßen, so die Polizei. Das Opfer zog sich Schürfwunden zu. Zum Täter und seinen Begleitern lagen zunächst nur ungenaue Beschreibungen vor. Auch das Motiv ist hier unklar.

In Magdeburg sucht die Polizei einen vermutlich rechtsextremen Mann, der in der Nacht zum Samstag einen Iraker angegriffen hatte. Der Täter misshandelte sein Opfer an einer Straßenbahnhaltestelle und beleidigte es mit ausländerfeindlichen Parolen. Dann hetzte er seinen Hund auf das 36-jährige Opfer und schlug mit einem Baseballschläger mehrfach auf ihn ein.

In Berlin haben zwei angetrunkene Männer im Alter von 22 und 25 einen Mann und eine Frau angegriffen, die sie offenbar für Linke hielten. Die beiden wurden als «Ökoschlampen» beschimpft und mit Fäusten geschlagen. Dabei hätten sie ihren Opfern erzählt, während der Hitler-Zeit hätte man ganz andere Sachen mit ihnen gemacht.

Die Schläger konnten flüchten, wurden aber von Polizisten festgenommen, die die Gegend abgesucht hatten. Gegen die Täter ermittelt der Staatsschutz wegen gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung. Die beiden Opfer erlitten Gesichtsverletzungen.

Sensibler Umgang

In Braunschweig nahm die Polizei zwei Männer fest, die einen Ghanaer verprügelt hatten. Einer von ihnen ist wegen rechter Parolen polizeibekannt, beide waren während der Tat betrunken, teilte die Polizei mit. Es könnten auch Drogengeschäfte Hintergrund des Konflikts sein, hieß es weiter.

In Hessen hat die Polizei einen Kleinlastwagen mit rechtsradikalen Aufschriften auf der Autobahn A4 bei Bad Hersfeld aus dem Verkehr gezogen. Die Insassen, zwei NPD-Mitglieder aus Leipzig, hätten die Parolen in mehrstündiger Arbeit von ihrem Fahrzeug herunterkratzen müssen, teilte das Landesinnenministerium in Wiesbaden am Montag mit. Erst dann sei die Weiterfahrt erlaubt worden. Gegen die Männer sei wegen «Belästigung der Allgemeinheit» ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.


Im sächsischen Mügeln bemüht sich die Polizei weiterhin um eine genaue Rekonstruktion des Tathergangs. Zeugen würden vernommen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig mit. Die Behörde widersprach Berichten, wonach auch gegen die verfolgten Inder ermittelt werde. Bei der Hetzjagd bei einem Stadtfest waren am vorvergangenen Wochenende 14 Menschen verletzt worden, darunter acht Inder.

Erklärbar ist die Häufung von Vorfällen jedoch auch, dass die Polizei sensibler auf derartige Taten reagiert und auch schwächste Verdachtsmomente erwähnt. Gerade die Polizei in Sachsen-Anhalt hatte sich des Vorwurfs zu erwehren, rechtsextremistische Umtriebe in ihrem Bereich zu ignorieren, um den Imageschaden für die betroffenen Regionen zu mindern. Entsprechende Anweisungen zogen personelle Konsequenzen nach sich. (nz/dpa)

 
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