netzeitung.deKölner Muslime beharren auf 55-Meter-Moschee

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Modell der geplanten Moschee in Köln-Ehrenfeld (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Modell der geplanten Moschee in Köln-Ehrenfeld
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Kritik an der Höhe der geplanten Groß-Moschee in Köln lässt die Muslime unbeindruckt. Der Neubau soll nur leicht abgewandelt werden.

«Wer kein Minarett gebaut hat, könnte glauben, es ist aus dem Boden gewachsen.» Dieses türkische Sprichwort, stellte Ditib-Pressereferent Thomas Müller fest, treffe in Köln wohl kaum zu. Denn die hitzige Debatte um die von dem türkischen Religionsverband geplante Moschee im Stadtteil Ehrenfeld und vor allem um die Größe von Minaretten und Kuppel dürfte an kaum einem Bürger der Stadt vorbeigegangen sein. Trotz aller Einwände entschied sich die Ditib nun, an der geplanten Größe der Moschee festzuhalten.

«Wir folgen der Empfehlung des Architekten und des Beirats», sagte Ditib-Geschäftsführer Mehmet Yildirim am Mittwoch bei der Vorstellung der aktuellen Moschee-Planung. Man habe sich im Planungsprozess um Transparenz bemüht und hoffe nun auf großes Verständnis. Ob diese Hoffnung sich erfüllt, bleibt aber abzuwarten: Viele Kölner sind nach einer Umfrage des «Kölner Stadt-Anzeigers» zwar durchaus für eine neue Moschee, aber gegen die geplante Größe.

Der geplante Bau einer neuen Moschee im Stadtteil Ehrenfeld erhitzt in Köln seit vielen Monaten die Gemüter. Auf dem Gelände an der Venloer Straße hat die Ditib bereits seit mehr als 20 Jahren ihre Zentrale und ihre Moschee - diese sind bislang in einem alten Fabrikgebäude untergebracht. Für die Gestaltung des neuen Gemeindezentrums auf dem Gelände hatte der Religionsverband einen Architekturwettbewerb gestartet, den das Kölner Architekturbüro Paul Böhm gewann.

Die Ditib hatte bei der Planung einen Beirat zusammengerufen, der die Konzeptionierung des Gemeindezentrums nachvollziehbar für die Kölner Bürger und die Nachbarn in Ehrenfeld machen sollte. Die Mitglieder kommen unter anderem aus Politik, Verwaltung, Kirchen und Bürgerinitiativen. Der Beirat erklärte am Mittwoch, man betrachte den Entwurf auch hinsichtlich der Größe als voll akzeptabel.

Architekt Paul Böhm stellte anhand eines neuen Modells die aktuellen Pläne für das Gebetshaus vor: Der viergeschossige Kuppelbau werde in verschiedene Schalen aufgelöst und über große Glasfronten verfügen, die den Blick vom Gebetsraum nach draußen und umgekehrt ermöglichen sollten. Dadurch solle die Moschee offen und transparent wirken, sagte Böhm. Für die Kuppel ist weiter eine Höhe von 34,5 Metern geplant, die Minarette sollen 55 Meter hoch werden. Man habe wiederholt andere Höhen geprüft, erklärte Böhm: «Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die bisher vorgesehene Höhe die richtige Höhe ist.»

Anders als bisher geplant sollen die beiden Gebetstürme nun aber rund statt eckig ausfallen und sich so besser der Gestaltung der restlichen Moschee anpassen. Die Minarette würden so filigraner, offener und abstrakter, erklärte Böhm. Das Gebäude passt sich nach seinen Worten harmonisch in die Umgebung im Stadtteil Ehrenfeld ein. Dort gibt es mit dem 243 Meter hohen Fernsehturm «Colonius» und dem 102 Meter hohen Herkules-Hochhaus einige deutlich höhere Gebäude.

Die Ditib war von vielen Seiten aufgefordert worden, den Entwurf der Moschee zu überdenken - vor allem hinsichtlich der geplanten Größe. Unter anderem hatte die Kölner CDU nachdrücklich Änderungen gefordert. Architekt Böhm sagte, er nehme die Bedenken aus Politik und Bevölkerung ernst: «Wir nehmen es nicht auf die leichte Schulter, wenn Sorgen und Ängste geäußert werden.» Als Architekt sei er aber auch dafür verantwortlich, dass das Gebäude die höchstmögliche Qualität habe. Ditib-Pressereferent Müller erklärte zudem, man führe eigentlich keine Debatte um die Minarett-Höhe, «sondern eine um Integration.»

Bedenken hatte es auch wegen der geplanten umfangreichen Gewerbeflächen in dem Moschee-Komplex gegeben, Kritiker hatten von einem regelrechten «Moscheeviertel» gesprochen. Der Religionsverband erklärte dazu, die Finanzierung der Moschee laufe ausschließlich über die Vermietung der Gewerbeflächen und Spenden. Man lade alle Interessierten ein, sich um Gewerbeflächen zu bewerben es solle keineswegs ein «rein türkisches» Angebot geben. Entscheidend sei nur, dass keine alkoholischen Getränke, kein Schweinefleisch und kein pornografisches Material angeboten würden. (Von Nicole Lange, AP)