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Scheitern am Internet II

23. Aug 2007 07:41
Metzeln, Schlachten, Würgen und Verbrennen – ein Gesetz soll das virtuelle Grauen in Deutschland von den Bildschirmen der Computerspieler verbannen. Vergessen wird dabei: Das Internet hat keine Grenzen. Lesen Sie Teil II.

Mit dieser Skepsis ist er nicht allein. Im Einklang mit Weingarten zieht der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer gegen die im Auftrag der Länder tätigen Softwarekontrolleure zu Felde. In einer Studie überprüfte der Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen die Altersfreigaben der USK. Sein Resümee: Die Prüfer dringen beim Durchprobieren der Baller-Software nur oberflächlich in die Spiele ein, bei 40 Prozent der Spiele sind die Altersgrenzen zu niedrig angesetzt. Zudem hält Pfeiffer die Prüfer selbst für abgestumpft.

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Pfeiffers Expertise beflügelt die Fraktion der Verbotsverschärfer. Zwar ist heute bereits illegal, gewaltverherrlichende oder Spiele mit menschenverachtenden Charakteren herzustellen oder zu verbreiten. Dennoch fand die Diskussion einen weiteren vorläufigen Höhepunkt: In der Initiative Bayerns, das Herstellen und Verbreiten von Spielen zu verbieten, in denen hauptsächlich getötet wird. Solche Spiele seien von der derzeitigen Gesetzeslage nicht erfasst, begründet Verbotsbefürworter Schünemann, der Bayern unterstützt.

Der niedersächsische Innenminister tourt mit einer DVD durchs Land, von der er Interessierten besonders krasse Spiel-Situationen vorführt. Der PC lädt Szenen aus «San Andreas», in denen ein Mann in Tarnhose mit einer Schaufel eine grazile Frau im ärmellosen Top zu Boden drischt, sie verblutet auf dem grauem Asphalt. Rote Fußtapfen bleiben zurück, nachdem der Totschläger über sein Opfer hinweg davontrampelt. Kurz zuvor hat in der Blockhaussiedlung ein Mann mit einer Klinge die Arme eines Flüchtenden kreuz und quer aufgeschlitzt und sein Opfer durch quadratmetergroße Lachen seines Blutes gehetzt, bis der Gejagte reglos am Boden liegt. Gegner werden auf den Bildschirmen wahlweise mit Autos rücklings überfahren, erdrosselt, ins Feuer geworfen - was dann in Nahaufnahme wahlweise in Blickrichtung Feuer oder aus den Flammen heraus zu beobachten ist.

Killerspiel-Gegner Schünemann
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Theoretisch gibt es Abhilfe - schon 2002 kam ein Filter für Ego-Shooter-Spiele auf den Markt. Der Hersteller: Weingartens Unternehmen für IT-Sicherheit. Der Chef hatte schon damals erkannt: Das Internet vom Grünen Tisch her von extremen und gewaltverherrlichenden Inhalten zu befreien, sei aussichtslos wie der Versuch, einen Tsunami durch Rufe aufzuhalten. Mittlerweile filtert seine Software die Internet-Zugänge an Bremer Schulen. Aus rund 2,1 Millionen geprüften Internet-Seiten lassen sich individuelle Listen zugelassener Spiele-Anbieter zusammenstellen. «Doch die meisten Kunden sind Internate», so Weingarten. Die hätten das Geld, über das die öffentlichen Schulen oftmals nicht verfügen.

Der Filter blockiert nicht nur das Herunterladen von Spielen, sondern auch der Erweiterungen und verhindert das Spielen via Internet. Zudem filtert der Blocker Seiten mit «bestimmten Strukturen» aus, wenn etwa Anbieter unter Tarn-Namen pornografische oder rassistische Inhalte veröffentlichen. In Schulen oder Internaten mag das funktionieren, doch wer kauft schon einen solchen Spiele-Blocker für den privaten Heim-PC?

Computerspieler
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Glücklicherweise ist beim Schlachten, Würgen und Metzeln zumindest für einen Teil der Spieler irgendwann Schluss. «Es ist nicht normal, mit der Kettensäge durch die Straßen zu laufen», sagt Gamona-Chefredakteur Bayer. Dies seien Spiele, «die die Welt nicht braucht». Gegen solcherlei Abstumpfung der Ballerspieler hilft nur der Blick der Eltern ins Kinder- oder Jugendzimmer. «Das Nutzungsverhalten kontrollieren und bei Bedarf unterbinden», nennt es Bayer. Das hatte auch die Dresdner Mutter Martina Scholz versucht – erfolglos. Denn der Baller-Drang ihres Sohnes ist groß, wie bei vielen Teenagern. Wenige Wochen nach ihrem im Kinderzimmer verhängten «Counterstrike»-Verbot hatte der Halbwüchsige das Spiel erneut installiert – auf dem Dienst-Notebook des Vaters.

Längst nicht alle Eltern sehen so genau hin wie Mutter Scholz. Deshalb fordern viele, die sich öffentlich zum Verbot von Metzel-Spielen äußern, dass der Staat die Medienkompetenz der Heranwachsenden stärken möge. Doch statt zu präzisieren, wie das geschehen soll, kommen Verbote auf die Tagesordnung.

Gamona-Chef Bayer
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Auch künftig an illegale Spiele ranzukommen, erfordert ebenso wenig Fachwissen wie das Umgehen der Altersgrenzen. Sollte das Herstellen der virtuellen Metzeleien einmal unter Strafe stehen, werde das Begehrte eben auf internationalen Webseiten oder Datei-Tauschbörsen beschafft, prophezeit Gamona-Chef Bayer. Auch das laufende Weiterverbreiten solcher Software lässt sich durch ein Verbot nie vollständig eindämmen. «Die Hemmschwelle wird zwar geringfügig steigen», der Austausch auf dem Schulhof und im Freundeskreis lasse sich jedoch nie vollständig stoppen. So läuft das Ziel der Verbotsverschärfung ins Leere.

Zu erwarten ist das Gegenteil: «Durch ein Verbot wird die Nachfrage sogar noch steigen», warnt Bayer vor neuen Begehrlichkeiten der Spielergemeinschaft. Die zu Folge: eine neue Welle virtueller Gewalt aus den Chips von Rechnern und Spielkonsolen.

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