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Experte hält «Mafia? Nein, Danke!» für Marketing

23. Aug 2007 07:47
Heischen um Aufmerksamkeit? Die Kampagne der Gastwirte
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Die Kampagne italienischer Gastwirte gegen die Mafia birgt aus Expertensicht die Gefahr, Kriminelle zu stärken. Die EU fürchtet zudem, dass die Mafia sich im Baltikum ausbreitet.

Interview:
Eine Kampagne italienischer Gastwirte gegen Organisierte Kriminalität süditalienischer Machart sorgt für Skepsis. «Die Anti-Mafia-Initiative der italienischen Gastwirte ist wohl mehr als eine plakative Marketing-Aktion gedacht», sagt Klaus von Lampe, Forscher an der Freien Universität Berlin auf Netzeitung.de. So solle der Hysterie-Grad in der Öffentlichkeit gesenkt werden.

Am Dienstag hatten italienische Gastwirte aus Berlin die Initiative «Mafia nein danke» ins Leben gerufen. Sie wollen damit ihre Ablehnung gegenüber mafiösen Organisationen zum Ausdruck bringen. 17 der 300 Gastwirte der Hauptstadt hatten sich bis Dienstag zu der Aktion bekannt und Aufkleber an ihren Gasthäusern angebracht. Die Kampagne wollten die Initatoren auch auf andere Bundesländer ausweiten.

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Vom Grundsatz her sei es wichtig, die Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen, meint der Experte. Allerdings könne die Aktion auch das genaue Gegenteil bewirken. «Die öffentliche Aufregung über Mafia-Präsenz in Deutschland kann das Einschüchterungspotenzial von Leuten, die sich als Mafiosi ausgeben, erhöhen.» Dann entstünde ein Problem «das es zur Zeit noch gar nicht gibt».

Länderpolizeien und Bundeskriminalamt (BKA) ermittelten vereinzelt gegen mafiöse Strukturen, für 2006 gab das BKA 26 Fälle bekannt. Echte Mafia-Strukturen seien in Deutschland gar nicht vorhanden, sagt von Lampe. «Die Mafia hat hier nicht die gesellschaftliche Stellung, über die sie in Italien verfügt.» Schon deshalb sei eine Hysterie unangebracht. Auch der Anschlag von Duisburg sei kein Hinweis auf verstärkte Mafia-Aktivitäten in Deutschland: «Hauptziel war jemand, der nicht in Deutschland lebte, sondern nur kurzfristig hier war. Hätte der sich in einem anderen Land aufgehalten, wäre diese Tat dort passiert», erklärt von Lampe.

EU-Staaten säumig

Am Dienstag hatte die Polizei Videoaufnahmen der Tatverdächtigen im Internet veröffentlicht, um der Mörder habhaft zu werden. Die Bilder einer Überwachungskamera zeigen schemenhaft zwei Personen, die über das Gelände der Tankstelle in der Nähe des Tatortes laufen. Wenngleich die Bilder von geringer Qualität sind, hofft die Duisburger Mordkommission dennoch auf Zeugenhinweise zu den beiden Personen. Bereits klar wurde, dass die sechs aus Italien stammenden Opfer von mindestens zwei Tätern erschossen wurden. Die Opfer hätten keinen Widerstand geleistet, so die Ermittler.

Unterdessen hat die Bluttat von Duisburg die europäische Ebene erreicht. Die Versäumnisse im Kampf gegen organisierte Kriminalität lägen bei den einzelnen EU-Ländern, sagte der italienische EU-Justizkommissar Franco Frattini der Zeitschrift «Vanity Fair». Die EU habe gehandelt. «Leider haben neun Mitgliedsstaaten die EU-Gesetzesvorlagen immer noch nicht in nationales Recht überführt, darunter Belgien, Deutschland, Italien und Frankreich.»

Nicht nur Deutschland habe mit organisiertem Verbrechen zu kämpfen. «Die Mafia investiert auch in Frankreich und den baltischen Staaten», meint Frattini. «Außerdem sind wir sehr besorgt über die Expansion der russischen Mafia in die baltischen Staaten. Wir müssen deshalb endlich vorankommen mit europaweiten Gesetzen. Europa braucht mehr Macht.» (nz/dpa/AP)

 
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