Experte hält «Mafia? Nein, Danke!» für Marketing
23.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Am Dienstag hatten italienische Gastwirte aus Berlin die Initiative «Mafia nein danke» ins Leben gerufen. Sie wollen damit ihre Ablehnung gegenüber mafiösen Organisationen zum Ausdruck bringen. 17 der 300 Gastwirte der Hauptstadt hatten sich bis Dienstag zu der Aktion bekannt und Aufkleber an ihren Gasthäusern angebracht. Die Kampagne wollten die Initatoren auch auf andere Bundesländer ausweiten.
Länderpolizeien und Bundeskriminalamt (BKA) ermittelten vereinzelt gegen mafiöse Strukturen, für 2006 gab das BKA 26 Fälle bekannt. Echte Mafia-Strukturen seien in Deutschland gar nicht vorhanden, sagt von Lampe. «Die Mafia hat hier nicht die gesellschaftliche Stellung, über die sie in Italien verfügt.» Schon deshalb sei eine Hysterie unangebracht. Auch der Anschlag von Duisburg sei kein Hinweis auf verstärkte Mafia-Aktivitäten in Deutschland: «Hauptziel war jemand, der nicht in Deutschland lebte, sondern nur kurzfristig hier war. Hätte der sich in einem anderen Land aufgehalten, wäre diese Tat dort passiert», erklärt von Lampe.
Unterdessen hat die Bluttat von Duisburg die europäische Ebene erreicht. Die Versäumnisse im Kampf gegen organisierte Kriminalität lägen bei den einzelnen EU-Ländern, sagte der italienische EU-Justizkommissar Franco Frattini der Zeitschrift «Vanity Fair». Die EU habe gehandelt. «Leider haben neun Mitgliedsstaaten die EU-Gesetzesvorlagen immer noch nicht in nationales Recht überführt, darunter Belgien, Deutschland, Italien und Frankreich.»
Nicht nur Deutschland habe mit organisiertem Verbrechen zu kämpfen. «Die Mafia investiert auch in Frankreich und den baltischen Staaten», meint Frattini. «Außerdem sind wir sehr besorgt über die Expansion der russischen Mafia in die baltischen Staaten. Wir müssen deshalb endlich vorankommen mit europaweiten Gesetzen. Europa braucht mehr Macht.» (nz/dpa/AP)

