netzeitung.deDeutsche Helfer wollen in Afghanistan bleiben

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Eingangstür zur Zentrale der Hilfsorganisation, für die die entführte Christina M. arbeitet (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eingangstür zur Zentrale der Hilfsorganisation, für die die entführte Christina M. arbeitet
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Trotz der jüngsten Entführungsfälle wollen viele Hilfsorganisationen ihr Engagement in Afghanistan zunächst fortsetzen. Sie fordern aber besseren Schutz.

Die zunehmende Zahl von Entführungen und Übergriffe auch auf zivile Helfer in Afghanistan schreckt viele deutsche Hilfsorganisationen nicht ab. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Montag ergab, wollen die meisten weiter in dem Land bleiben. Allerdings müssten die Mitarbeiter besser vor kriminellen Bedrohungen und politischer Gewalt geschützt werden, forderten die befragten Organisationen.

Die deutsche Sektion der Hilfsorganisation Caritas International hat bereits erste Konsequenzen aus der unsicheren Lage in Afghanistan gezogen. «Unsere Mitarbeiter dürfen sich nur noch im Büro und in ihrer Wohnung aufhalten», sagte ein Caritas-Sprecher in Freiburg.

Weil sich die Helfer nicht mehr im Freien bewegen könnten, sei die Arbeit stark eingeschränkt. Falls sich die Situation weiter zuspitze, sei auch ein Abzug denkbar. «Die Frage, ob wir bleiben oder Afghanistan verlassen müssen, wird derzeit jeden Tag neu gestellt.»

Die Durchführungs-Organisationen der staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit wollen ihre Personalstärke in Afghanistan aufrechterhalten. Bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gebe es keine Pläne, einen Teil der insgesamt 45 entsandten Experten aus dem Land zu holen, teilte ein Sprecher mit.

Der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) will die Zahl seiner derzeit 30 Entwicklungshelfer ebenfalls nicht reduzieren. Indes werde die Sicherheitslage mit Hilfe spezieller Berater ständig neu bewertet. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) betreibt ihr Kabuler Büro weiter, «wenngleich mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen».

Malteser ziehen ihre Leute ab
Vollständig aus Afghanistan zurückziehen will sich hingegen die Organisation Malteser International. Als Grund nannten die Malteser die immer prekäre werdende Sicherheitslage. Sprecherin Claudia Kaminski sagte dem «Tagesspiegel», der letzte deutsche Mitarbeiter werde im Oktober zurückkehren. Die Projekte einheimischer Hilfsorganisationen würden aber weiter unterstützt.

Die beiden großen Parteienstiftungen wollen an ihrer Wiederaufbauhilfe in Afghanistan festhalten. Bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gibt es keine Erwägungen, das Büro in Kabul mit einer deutschen Mitarbeiterin und elf afghanischen Angestellten zu schließen.

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung will ihre Dependance mit einem entsandten Mitarbeiter und mehreren Ortskräften gleichfalls weiterführen. «Wir beobachten die Situation aber ganz genau», sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Den 13 entsandten Mitarbeitern der Deutschen Welthungerhilfe war es nach den jüngsten Vorfällen freigestellt worden, aus Afghanistan zurückzukehren. Vier von ihnen hätten dieses Angebot angenommen, hieß es. Darüber hinaus achte die Organisation nun stärker auf die Sicherheit ihres Personals und beschränke die Zahl der Fahrten in die ländlichen Projektgebiete «auf das absolut Notwendige».

Rotes Kreuz unterstützt nur andere Helfer
Dagegen beschäftigt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nach eigener Darstellung bereits seit einiger Zeit keine eigenen Mitarbeiter mehr in Afghanistan, hält aber weiterhin Kontakt zu Partnerorganisationen. In Zusammenarbeit mit dem Dachverband des Internationalen Roten Kreuzes werde vor allem der Rote Halbmond unterstützt. Das DRK schließe nicht aus, künftig wieder deutsche Helfer an den Hindukusch zu entsenden. Derzeit gebe es aber «keine konkreten Planungen». (dpa)