SPD für Freiwilligenarmee - und Wehrpflicht
17.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die Grünen und die Linke fordern seit langem die Abschaffung der Wehrpflicht, die FDP plädiert für die Aussetzung. Einzig die Union hält an der Wehrpflicht bisher uneingeschränkt fest. In der laufenden Legislaturperiode dürfte es noch keine Änderungen daran geben, da sich SPD und Union in ihrem Koalitionsvertrag zur Allgemeinen Wehrpflicht als «beste Wehrform» und zum «Zivildienst als Ersatz» bekannt haben.
In dem SPD-Antrag, der der dpa vorliegt, heißt es: ««Wir streben an, zum Dienst in den Streitkräften künftig nur noch diejenigen einzuberufen, die sich zuvor bereit erklärt haben, den Dienst in der Bundeswehr leisten zu wollen.» Dies sei «Ausdruck einer persönlichen Entscheidung, sich für die Gesellschaft und für das Gemeinwohl zu engagieren». Zugleich soll es Anreize durch ein Bonus-System geben, etwa Vorteile bei der Studienplatzvergabe, der Weiterbildung oder Anrechnung von Dienst- und Ausbildungszeiten. Ähnliches soll für den zivilen Ersatzdienst gelten.
Der Kompromiss wurde im SPD-Vorstand von Mitgliedern aller Parteiflügel erarbeitet. Dazu zählten SPD-Chef Kurt Beck, der Fraktionsvorsitzende Peter Struck, der Parteilinke Nils Annen sowie der Verteidigungspolitiker Walter Kolbow. Der Entwurf soll an diesem Montag im SPD-Parteivorstand die erste Hürde nehmen.
Knapp 60 Prozent aller tauglichen jungen Männer leisteten weder Wehr- noch Zivildienst. «Die Bundeswehr ist längst eine Armee im Einsatz.» Diese Aufgabe sei nicht mit Wehrpflichtigen zu leisten. Auch der Aufwand für die Erfassung der Männer und deren Ausbildung binde zu viele Kräfte.
Grünen-Chefin Claudia Roth forderte die Abschaffung der Wehrpflicht. Sie sei «sicherheitspolitisch nicht mehr zu rechtfertigen». Der SPD-Vorschlag einer «freiwilligen Wehrpflicht» stieß bei Roth auf scharfe Kritik: «Ein bisschen abschaffen, ein bisschen beibehalten, die SPD weiß weder aus noch ein.» (dpa/AP)

