«Nicht jeder Moschee-Gegner ist rechtsradikal»
15.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Es geht bei diesem Parteitag um die Hoffnung auf ein Ende des Schlingerkurses der Kölner Union. Vor gut einem Jahr hatte Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) die Baupläne für das muslimische Gotteshaus zusammen mit der türkisch-islamischen Organisation Ditib vorgestellt. In den letzten Monaten regte sich aber immer wieder vehementer Widerstand dagegen. Minarette und Kuppel waren zu hoch, Angst vor mangelnder Integration der Migranten wurde formuliert. «Ich will nicht, dass hier ein islamisches Zentrum entsteht, in das sich die Muslime zurückziehen, statt Teil unserer Gesellschaft zu werden», sagt ein Christdemokrat.
Kölns CDU-Basis diskutiert bei ihrem Parteitag engagiert, unterschiedliche Sorgen werden formuliert: über Verkehrsprobleme, Baumaße und die Frage, welche Geschäfte und Einrichtungen in das neue Gebäude kommen. Bis sich die CDU der Sorgen und Ängste der Bevölkerung annahm, hatten nur die Rechtsextremisten im Stadtrat gegen die Moschee mobil gemacht.
Die teils diffusen Vorbehalte gegen den islamischen Kirchenbau fängt der Parteivorstand schließlich mit einem Kompromissantrag ein. Darin steht die klare Forderung nach einer kleineren Moschee. Die Bitte von Oberbürgermeister Schramma, das so nicht zu verabschieden, geht ins Leere. Nun muss er mit zwei unterschiedlichen Aufträgen in die Gespräche mit der Ditib gehen: mit der Forderung seiner Partei nach deutlichen Korrekturen an den Bauplänen und mit dem Verlangen der Kölner Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Linkspartei nach Realisierung des ursprünglichen Entwurfs.
Armin Laschet geht an diesem Abend dennoch zufrieden nach Hause. Immerhin habe man aus der Kölner Debatte gelernt, dass die Diskussion über neue Moschee-Bauten offensiv geführt werden müsse. «In Duisburg ist eine große Moschee gebaut worden: ohne Proteste, direkt mit der Nachbarschaft unter Zustimmung aller Beteiligten», gibt der Integrationsminister zu bedenken: «Hier in Köln hat die Debatte erst sehr spät begonnen, aber ich denke nicht zu spät.» (Von Frank Überall, dpa)

