10. Aug 2007 13:51
Angesichts der neuen europäischen Chemikalienverordnung könnte es zu einem massiven Anstieg der Tierversuche kommen. Davon betroffen wären Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Hunde.
Die Richtlinie schreibt vor, dass die Industrie auch Altchemikalien auf gesundheitliche Risiken und Spätfolgen untersuchen lassen muss. Die Frage, ob Krebs erzeugt wird, ist ein wichtiges Kriterium. Die meisten dieser Tests werden an Mäusen und Ratten durchgeführt, Kaninchen oder Hunde werden ebenfalls verwendet. «Wir erfahren in Deutschland einen starken Gegenwind, wenn wir Tierexperimente durchführen wollen», kritisierte Heldmaier, der auch Vizepräsident der Universität Marburg ist. «Wenn dieser Widerstand zunimmt, könnte der Forschungsstandort Deutschland abgehängt werden.»
Sollten die Genehmigungsverfahren hierzulande immer aufwendiger werden, könnte ein Großteil der tierexperimentellen Forschung ins Ausland abwandern. Viele Hersteller könnten versucht sein, ihre Aufträge an Forschungsinstitute in anderen Ländern abzugeben. «Das ist keine gute Entwicklung für den Standort Deutschland», sagte der Biologe.
Schon jetzt behindere der bürokratische Genehmigungsaufwand die Arbeit der Wissenschaftler. «Im Universitätsbetrieb kommt es manchmal darauf an, ein Experiment rasch durchzuführen - aber bis die Erlaubnis da ist, dauert das meist Monate.»
Zwar müsse es klare Zulassungsregeln für Tierversuche geben, wie sie in Deutschland auch gesetzlich festgeschrieben seien. In der Praxis erführen die Wissenschaftler aber großes Misstrauen von Seiten der Öffentlichkeit und Politik. Auch etablierte Institute müssten ihre einzelnen Experimente ausführlich begründen und beantragen.
Dieses Verfahren sei in der Grundlagenforschung besonders schwierig. «Gerade in diesem Bereich wissen wir ja oft noch nicht, welche konkreten Ergebnisse ein Forschungsversuch bringen wird», sagte Heldmaier. Nach seinen Angaben werden in Europa derzeit zehn Millionen Tierversuche pro Jahr durchgeführt, davon gut zwei Millionen in Deutschland. (nz)