«Söders Patriotismus ist zum Fürchten»
10.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Schluss, den Söder aus seiner Profil-Analyse zieht, löst bei dem Grünen-Politiker Beck regelrechtes Entsetzen aus. «Dieser blutleere Patriotismus des Herrn Söder ist ja zum Fürchten», sagte er. «Kruzifix statt Kopftuch lautet seine patriotische Alternative: Was soll uns das sagen? Weiß er eigentlich, wenn er damit alles ausbürgert?»
Söders Patriotismus-Überlegungen kommen nicht von ungefähr. Mitte Juli hatte er sich im Berliner Café Einstein mit dem Bundesvorsitzenden der Jungen Union, Philipp Mißfelder, dem Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, Hendrik Wüst und Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef Stefan Mappus getroffen, um einen konservativen Pakt zu gründen. Zweck der Veranstaltung: Es sollten Leitlinien für einen modernen Konservativismus erarbeiten werden. Ende August sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Dann will Söder auch erläutern, wie die Union sich aus seiner Sicht im «Kampf der Kulturen» positionieren sollte. Einen Vorgeschmack dazu liefert der CSU-General in der «Welt»: «Wir sollten unsere Werte engagiert in der Welt vertreten», wird er dort zitiert. Denn: Die aus der christlich-jüdischen Tradition mit Humanismus und Aufklärung entstandenen Menschenrechte seien «vielleicht die wichtigste ideengeschichtliche Leistung Europas». Somit ist es für Söder unabdingbar, dass Menschenwürde, Freiheit und Demokratie «mit Verstand und Respekt in alle Welt» exportiert werden sollten.
Damit könnten auch die Grünen leben, entgegnet Fraktionsgeschäftsführer Beck. Doch: «Wenn er [Söder; d.Red.] gleichzeitig die Gleichheit vor dem Gesetz für alle Menschen als 68-er Irrung denunziert, zeigt sich, dass er nicht weiß, was Humanismus, Aufklärung und Menschenrechte bedeuten.» Außerdem, gibt Beck zu bedenken, seien Menschenrechte universell und deshalb an keine Kultur und Religion gebunden. «Wer sie kulturalisiert, macht sie zum Teil eines Unterwerfungsdiskurses und beschädigt so ihre Brückenfunktion zwischen den Religionen und Kulturen.»
Für das Web ediert von Dietmar Neuerer

