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Länderstreit über bundesweites Zentralabitur

09. Aug 2007 15:28, ergänzt 16:24
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Unions-Überlegungen für ein bundesweit einheitliches Zentralabitur stoßen auf großen Widerspruch. Skepsis gibt es nicht nur in den Bundesländern, auch Lehrer sehen die Pläne kritisch.

Das Bestreben einiger Bundesländer und der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein Zentralabitur einzuführen, sorgt parteiübergreifend für Streit. So lehnt das SPD-regierte Rheinland-Pfalz entsprechende Pläne strikt ab.

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Einen Qualitätsgewinn könne er durch ein bundesweites Zentralabitur nicht erkennen, sagte Bildungsstaatssekretär Michael Ebling dem «Tagesspiegel». Bei der Forderung nach einem von einer zentralen Behörde vorbereiteten Abitur werde verkannt, «dass es mit den Einheitlichen Prüfungsanforderungen (EPA) für das Abitur der Kultusministerkonferenz (KMK) bereits Qualitätsstandards gibt, die eine Vergleichbarkeit bei der allgemeinen Hochschulreife sicherstellen». Für die notwendige Vereinheitlichung der Prüfungstermine könne er bundesweit keine Mehrheit erkennen.

Vessere Vergleichbarkeit angestrebt

In den letzten Tagen hatten sich mehrere CDU-regierte Länder für ein bundesweites Zentralabitur ausgesprochen. Außer Bundesbildungsministerin Schavan machen sich auch der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dafür stark. Sie versprechen sich davon eine bessere Vergleichbarkeit bei den Leistungen der Schüler. Bereits 14 der 16 Bundesländer haben ein landesweit zentral vorbereitetes Abitur. Die Prüfung zur Hochschulreife bundesweit einheitlich zu gestalten, würde neben einem einheitlichen Termin einen einstimmigen Beschluss der Kultusministerkonferenz erfordern.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, der in der Schulpolitik die CDU-regierten Länder innerhalb der Kultusministerkonferenz koordiniert, äußerte sich entsprechend zurückhaltend zu den Plänen. Olbertz sagte dem «Tagesspiegel», eine Neubewertung der inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Standards im Abitur sei vielversprechend. Diese Neubewertung müsse aber nicht gleich in einem Zentralabitur münden. Die Forderung nach einem Zentralabitur werfe nicht nur große organisatorische Schwierigkeiten auf, sondern könne auch Konflikte zwischen den Ländern entstehen lassen. Deswegen sei er für eine langsamere Gangart.

Entscheidung im Oktober

Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, wollen sich noch im August die Kultusminister der unionsregierten Länder auf eine gemeinsame Position verständigen. Im Oktober soll die Kultusministerkonferenz über den Vorschlag abstimmen.

«Es kann nicht sein, dass es von Land zu Land Wissensabstände von bis zu einem Jahr gibt, sagte Bayerns Kultusminister Schneider. Der CSU-Politiker schlägt bundesweit einheitliche Abiturprüfungen in Mathematik und Deutsch vor. Sie sollten, wenn möglich, an einem Tag geschrieben werden. Ziel sei es, den Schülern höhere Anforderungen für das Abitur zu stellen. Auch ließen sich ihre Leistungen besser vergleichen, wenn alle die selben Aufgaben lösen müssten. Bayerische Schüler könnten sich dann mit jenen aus anderen Bundesländern messen. «Das ist echter Wettbewerbsföderalismus», sagte der Minister.

Widerstand aus Hessen

Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) und die NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sprachen sich in der Zeitung für bundesweit einheitliche Abiturprüfungen aus.

Zu den Gegnern des Zentralabiturs gehört auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Ein Zentralabitur widerspreche der Ferienregelung in Deutschland und den unterschiedlich langen Schulzeiten, sagte Koch am Donnerstag in Wiesbaden. «Zentralabitur muss man wohl an einem Tag schreiben», betonte auch der Bundes-Vize seiner Partei. Damit stelle sich aber die Frage, «ob etwa die Bayern ihre Schulzeit um ein Vierteljahr verkürzen oder wir unsere verlängern». Hessen werde sich «Kooperationen» mit anderen Bundesländern nicht widersetzen, versprach Koch. Ein Zentralabitur widerspreche aber der föderalistischen Ordnung der Bundesrepublik in Bildungsfragen, der «Wettbewerb der besten Methoden» müsse erhalten bleiben.

Lehrer verwundert

Die Eltern- und Lehrerverbände kritisieren den Vorschlag aus den unionsregierten Ländern als unüberlegt: «Da wird wieder etwas losgetreten, ohne über die Folgen nachzudenken, sagte Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats.

Mit Verwunderung reagierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. «Noch im vergangenen Jahr hat die Union eine Föderalismusreform mit beschlossen, nach der sich der Bund aus Schulfragen herauszuhalten hat, jetzt macht sie einen Salto rückwärts und will zentrale Abitur-Regelungen haben», sagte Kraus im Gespräch mit Netzeitung.de. Für ihn sei das schon deshalb «völlig unverständlich», weil es den Änderungen im Grundgesetz widerspricht.

Praktische Probleme

Kraus zweifelt allerdings nicht nur an der rechtlichen Umsetzbarkeit eines bundesweiten Zentralabiturs. Er sieht ebenfalls zahlreiche «praktische Probleme». So erfordere ein einheitlicher Abitur-Prüfungstermin auch eine einheitliche Gestaltung der Schulferien. Das gehe aber nicht, weil sonst «ein Verkehrs- und Tourismuschaos» drohe, sagte Kraus.

Überdies sei bei einem deutschlandweit einheitlichen Abitur zu befürchten, dass die Qualität der Abschlussprüfung auf das «unterste Niveau» sinkt. «Ich verstehe deshalb auch nicht, dass die Forderung nach einem Zentralabitur ausgerechnet aus den Ländern Bayern und Baden-Württemberg kommt.»

Keine zwingende Notwendigkeit

Kraus hält es zudem für nötig, dass bei einer Abiturprüfung auch landesspezifische Inhalte eine Rolle spielen. So müssten die regionalen Besonderheiten in den Bereichen Politik und Geschichte abgeprüft werden. Bei einem bundeseinheitlichen Abitur sei das aber nur schwer vorstellbar.

Dessen ungeachtet kann der Lehrerverbands-Präsident dem Abitur-Vorstoß auch deshalb nichts abgewinnen, weil dafür aus seiner Sicht keine zwingende Notwendigkeit besteht. Denn, so Kraus, in Sachen Schulleistung gebe es in der gymnasialen Oberstufe kaum ein innerdeutsches Gefälle. Anders sehe das dagegen bei den nicht-gymnasialen Schulformen der Sekundarstufe I aus. «Insofern wäre eine Einführung von Abschlussprüfungen zum Erwerb der Mittleren Reife in allen Bundesländern vorrangig», forderte Kraus. (nz)

 
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