Danach sollte sie allerdings auch nach Auffassung des Bauernverbands fallen. Ein Sofort-Ausstieg könnte für einige Landwirte den Ruin bedeuten, warnt der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbands, Eckhard Heuser. Denn Milchquoten sind längst keine bloße Beschränkung mehr, sondern auch eine Geldanlage: So genannte Sofamelker, die selbst gar keine Milch mehr produzieren, handeln ihre Quoten an Landwirtschaftsbörsen. «Es haben gestern noch Bauern Quoten gekauft», gibt Heuser zu bedenken. Würde das System kurzfristig abgeschafft, «zerstört man deren Vertrauen und deren Bilanz». EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel will deshalb einen sanften Ausstieg aus dem Quotensystem. Sie erwägt, die erlaubten Produktionsmengen in den kommenden Jahren allmählich zu erhöhen und will dafür im November einen ersten Vorschlag vorlegen.
Auch eine allmähliche Ausweitung der Quoten ist allerdings keine Garantie dafür, dass in den kommenden Jahren immer mehr Milch gemolken wird. Das würde sich nämlich nur dann lohnen, wenn die Nachfrage weiter steigt. Eckhard Heuser vom Milchindustrie-Verband ist da durchaus skeptisch: Dass China gegenwärtig mehr Milchprodukte aus Europa importiere, hänge vor allem mit Dürreperioden in Australien und Neuseeland zusammen, die normalerweise Asien belieferten.
Auch Bauernverbands-Generalsekretär Born meint: «Ich glaube, dass da einiges an Überhitzung drin ist.» Trotzdem rechne er damit, «dass wir jetzt in einen stetigen Aufwärtstrend über fünf, sechs, sieben Jahre hineinkommen». Aber wird das auch ausreichen, den Bauern ein besseres Auskommen zu sichern? Bernd Voß ist sich da nicht so sicher. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL), der selbst einen Hof mit 80 Kühen in Schleswig-Holstein betreibt, rechnet vor: Die wenigen Cent, die bei der jüngsten Milchpreiserhöhung tatsächlich bei den Bauern ankam, «wiegen im Grunde nicht einmal die Kostensteigerungen auf, die wir in den letzten Jahren hatten». Allein Düngemittel seien seit der Jahrtausendwende um 35 Prozent teurer geworden, während gleichzeitig bis 2006 der Milchpreis stetig gefallen sei.
Bei einer Aufhebung der Quote würden sich nur wenige Betriebe mehr Kühe und Ställe leisten können, befürchtet die ABL. Kleinbetriebe in weniger lukrativen Lagen vor allem in Süddeutschland gerieten dadurch unter verschärften Konkurrenzdruck und hätten das Nachsehen. «Es kann erheblich mehr Milch erzeigt werden, aber nur mit der Konsequenz der Konzentration», sagt Voß. Das bedeute auch Nachteile für die Tierhaltung: «Weidehaltung wird bei Betrieben mit mehr als 100 Kühen schwierig.»