Zypries provoziert Schäuble bei Online-Razzien
27.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
«Der Innenminister scheint inzwischen von seiner Forderung abzurücken, dass der Gesetzentwurf zu den neuen Zuständigkeiten des Bundeskriminalamts die heimlichen Online- Durchsuchungen enthalten muss», sagte dagegen Zypries der «Berliner Zeitung». «Es scheint sich abzuzeichnen, dass er das BKA-Gesetz ohne diesen Punkt den Ländern zur Abstimmung vorlegen wird. Das ist vernünftig und entspricht der Position der SPD.»
Die Online-Durchsuchungen könnten dann in Ruhe parallel beraten werden. Zudem könne berücksichtigt werden, wie das Bundesverfassungsgericht die Klage dagegen bewerte. Zypries begründete die Vorbehalte der SPD gegen die Pläne Schäubles damit, dass Online-Durchsuchungen ein extremer Eingriff in die Privatsphäre seien.
«Was geschieht beispielsweise, wenn das Bundeskriminalamt einen Trojaner in einem Computer platziert, der mit einem Krankenhaus verbunden ist? Kann die Polizei dann sämtliche Krankenakten einsehen? Ich glaube nicht, dass diese Fragen schon genau durchdacht sind.»
Bosbach machte hingegen deutlich, erst vor wenigen Tagen habe der Innenminister ein Schreiben an den Kanzleramtschef und die Fraktionsvorsitzenden der großen Koalition geschickt, in dem ausführlich dargelegt sei, dass die Online- Durchsuchung unverzichtbar sei. Zudem habe niemand in der SPD-Fraktion auf einer jüngsten Sitzung zum Thema fachlich bestritten, dass das umstrittene Fahndungsinstrument notwendig sei. «Die SPD will es mehrheitlich nicht, das ist etwas völlig anderes.»
Der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck forderte die SPD zum Widerstand gegen die «rechtsstaatswidrigen Anti-Terror-Pläne» von Schäuble auf. Nach Becks Ansicht lanciert der Innenminister «bewusst» manche Vorschläge, um bei der SPD Ablehnung zu produzieren. «Gleichzeitig schafft es dann aber Herr Schäuble, der SPD vergiftete Kompromisse aufzuzwingen», sagte er auf Netzeitung.de. So sei die SPD bei der Online-Durchsuchung «bereits im Grundsatz eingeknickt». (AP/dpa)

