Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Berlin kritisiert Frankreichs Atomdeal mit Libyen

26. Jul 2007 18:13, ergänzt 21:10
Frankreichs Präsident Sarkozy und Libyens Staatschef Gaddafi in Tripolis
Bild vergrößern
Die Bundesregierung sieht durch das geplante Atomabkommen mit Frankreich und Libyen deutsche Wirtschaftsinteressen berührt. Staatssekretär Erler fordert nun Gespräche zwischen Berlin und Paris.

Das geplante französisch-libysche Atomabkommen stößt in Deutschland auf heftige Kritik. «Politisch ist dieses Geschäft problematisch», sagte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), dem «Handelsblatt». Er widersprach zudem der EU-Kommission, die die Vereinbarung als eine französische Angelegenheit ansieht.

Mehr in der Netzeitung:
«Deutsche Interessen sind durch Siemens und den Standort Erlangen direkt mit betroffen», so Erler. Da bei dem Export von Atomtechnik auch europäische Sicherheitsinteressen berührt sein könnten, forderte er zudem eine Konsultation der deutschen und der französischen Regierung. Auch deutsche Parlamentarier übten Kritik.

Hintergrund ist eine Absichtserklärung, die die französische und die libysche Regierung am Mittwoch zur Nutzung der Atomenergie unterzeichnet hatten. Sie sieht die Lieferung eines Atomreaktors vor, mit dessen Energie eine Meerwasserentsalzungsanlage betrieben werden soll.

Das Geschäft würde Areva NP abwickeln, eine Tochtergesellschaft der staatlichen französischen Nuklearholding Areva. An Areva NP ist Siemens mit 34 Prozent beteiligt. Zudem ist eine militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten vorgesehen. Sarkozy konnte Gaddafi außerdem von seinem Projekt einer Mittelmeerunion überzeugen.

Erler tritt für erneuerbare Energien ein

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bestritt bei einem Besuch in Tripolis einen Zusammenhang mit der Freilassung verurteilter bulgarischer Krankenschwestern. Staatssekretär Erler warf der französischen Regierung zudem vor, mit dem Abkommen gegen deutsche Interessen zu agieren. Libyen sei ein Land, bei dem sich der Einsatz erneuerbarer Energien anbiete.

«Deutschland hat Libyen auch bereits entsprechende Angebote gemacht, auf die es bisher nicht reagiert hat.» In diesem Kontext müsse man das französische Atom-Abkommen sehen. «Zudem erhöht sich mit jedem Land, das die Atomenergie nutzt, das Risiko der Profliferation», also der unkontrollierten Weitergabe von Atomtechnik. Die Bundesregierung wolle die französischen Exportanstrengungen im Nuklearsektor aufmerksam verfolgen, weil sich auch arabische Staaten dafür interessierten.

Die Umweltorganisation Greenpeace nannte die Vereinbarung «unverantwortlich», weil sei «Probleme hinsichtlich der Verbreitung von Atomwaffen» aufwerfe. Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok forderte in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur strenge Auflagen und Kontrollen sowie eine Technologie, «die nicht atomwaffenfähiges Material ermöglicht». (nz/dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.