Berlin kritisiert Frankreichs Atomdeal mit Libyen
26.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Hintergrund ist eine Absichtserklärung, die die französische und die libysche Regierung am Mittwoch zur Nutzung der Atomenergie unterzeichnet hatten. Sie sieht die Lieferung eines Atomreaktors vor, mit dessen Energie eine Meerwasserentsalzungsanlage betrieben werden soll.
Das Geschäft würde Areva NP abwickeln, eine Tochtergesellschaft der staatlichen französischen Nuklearholding Areva. An Areva NP ist Siemens mit 34 Prozent beteiligt. Zudem ist eine militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten vorgesehen. Sarkozy konnte Gaddafi außerdem von seinem Projekt einer Mittelmeerunion überzeugen.
«Deutschland hat Libyen auch bereits entsprechende Angebote gemacht, auf die es bisher nicht reagiert hat.» In diesem Kontext müsse man das französische Atom-Abkommen sehen. «Zudem erhöht sich mit jedem Land, das die Atomenergie nutzt, das Risiko der Profliferation», also der unkontrollierten Weitergabe von Atomtechnik. Die Bundesregierung wolle die französischen Exportanstrengungen im Nuklearsektor aufmerksam verfolgen, weil sich auch arabische Staaten dafür interessierten.
Die Umweltorganisation Greenpeace nannte die Vereinbarung «unverantwortlich», weil sei «Probleme hinsichtlich der Verbreitung von Atomwaffen» aufwerfe. Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok forderte in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur strenge Auflagen und Kontrollen sowie eine Technologie, «die nicht atomwaffenfähiges Material ermöglicht». (nz/dpa)

