Kohl, Cruise und das Erbe des 20. Juli
20.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Kohl ist der erste Altkanzler, der die Gelöbnisrede zum 20. Juli hielt, und wie kaum ein anderer zuvor erinnert der CDU-Politiker an Elsers Mut - an das Attentat «eines Einzelnen». «Die unermessliche Angst der Verschwörer konnte nur mit großer innerer Kraft und Gottvertrauen getragen werden. Ihr Mut verdient unseren besonderen Respekt und unsere tiefe Dankbarkeit», würdigt Kohl die Widerstandskämpfer gleichermaßen.
Er hebt auch die Rolle des Generalmajors Henning von Tresckow hervor. Von Tresckow habe von Stauffenberg nachdrücklich zu dem Attentat ermutigt. Während von Stauffenberg in Berlin hingerichtet wurde, beging von Tresckow an der Front Selbstmord, um bei Verhören keine Namen preisgeben zu müssen.
Kohl sagt, «das - gescheiterte - Attentat vom 20. Juli war ein Aufstand des Gewissens». Und er leitet daraus einen Dauerauftrag an die nächsten Generationen ab: Den Frieden in Europa zu bewahren. «Wenn wir von der Zukunft Europas reden, so ist es vor allem das Europa Ihrer Generation», sagt er an die Adresse der rund 450 Rekruten, die an jenem Ort geloben, Deutschlands Freiheit tapfer zu verteidigen, wo von Stauffenberg und seine Mitverschwörer vor 63 Jahren erschossen wurden. «Es ist Ihr Jahrhundert. Es ist nicht mein Jahrhundert», betont der Altkanzler, der gesundheitlich angeschlagen wirkt.
Das Zusammenleben in Frieden und Freiheit in Europa sei für ihn das, wofür die Männer und Frauen des 20. Juli starben. Und: «Ihr Schicksal bleibt uns Mahnung.»
Auch der letzte Überlebende des engeren Verschwörerkreises um von Stauffenberg, Philipp Freiherr von Boeselager, richtet große Hoffnung auf das politische Engagement der Jugend. Nach dem Krieg habe sich zunächst niemand für den Widerstand gegen Hitler interessiert, sagte der 89-Jährige der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Erst jetzt mit der Enkelgeneration, da ist das anders, die interessiert das, und plötzlich ... ist der Widerstand wieder aktuell.»

