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Kohl, Cruise und das Erbe des 20. Juli

20. Jul 2007 21:30
Kohl während seiner Rede
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Bei ihrem Gelöbnis hat Altbundeskanzler Kohl 450 Rekruten an ein großes Datum der deutschen Geschichte erinnert. In seiner Rede im Bendlerblock nannte er das Hitler-Attentat einen «Aufstand des Gewissens».

Johann Georg Elser gehörte nicht zum Kreis des militärischen Widerstands gegen Hitler. Er war nicht dabei, als Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und andere Offiziere das Bombenattentat auf den Diktator planten. Und trotzdem nennt Altbundeskanzler Helmut Kohl am Freitagabend beim traditionellen Gelöbnis zur Würdigung des missglückten Attentats am 20. Juli 1944 den Namen des Schreinergesellen in einer Reihe mit Stauffenberg.

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  • Denn Elser hatte lange vor den Militärs versucht, Hitler umzubringen, weil er in ihm einen Kriegstreiber sah. Sein Bombenanschlag schon 1939 scheiterte, weil Hitler entgegen aller Planung den Ort des Geschehens Minuten vorher verlassen hatte. Auch Elser wurde hingerichtet.

    Kohl ist der erste Altkanzler, der die Gelöbnisrede zum 20. Juli hielt, und wie kaum ein anderer zuvor erinnert der CDU-Politiker an Elsers Mut - an das Attentat «eines Einzelnen». «Die unermessliche Angst der Verschwörer konnte nur mit großer innerer Kraft und Gottvertrauen getragen werden. Ihr Mut verdient unseren besonderen Respekt und unsere tiefe Dankbarkeit», würdigt Kohl die Widerstandskämpfer gleichermaßen.

    Er hebt auch die Rolle des Generalmajors Henning von Tresckow hervor. Von Tresckow habe von Stauffenberg nachdrücklich zu dem Attentat ermutigt. Während von Stauffenberg in Berlin hingerichtet wurde, beging von Tresckow an der Front Selbstmord, um bei Verhören keine Namen preisgeben zu müssen.

    Kohl sagt, «das - gescheiterte - Attentat vom 20. Juli war ein Aufstand des Gewissens». Und er leitet daraus einen Dauerauftrag an die nächsten Generationen ab: Den Frieden in Europa zu bewahren. «Wenn wir von der Zukunft Europas reden, so ist es vor allem das Europa Ihrer Generation», sagt er an die Adresse der rund 450 Rekruten, die an jenem Ort geloben, Deutschlands Freiheit tapfer zu verteidigen, wo von Stauffenberg und seine Mitverschwörer vor 63 Jahren erschossen wurden. «Es ist Ihr Jahrhundert. Es ist nicht mein Jahrhundert», betont der Altkanzler, der gesundheitlich angeschlagen wirkt.

    Das Zusammenleben in Frieden und Freiheit in Europa sei für ihn das, wofür die Männer und Frauen des 20. Juli starben. Und: «Ihr Schicksal bleibt uns Mahnung.»

    Auch der letzte Überlebende des engeren Verschwörerkreises um von Stauffenberg, Philipp Freiherr von Boeselager, richtet große Hoffnung auf das politische Engagement der Jugend. Nach dem Krieg habe sich zunächst niemand für den Widerstand gegen Hitler interessiert, sagte der 89-Jährige der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Erst jetzt mit der Enkelgeneration, da ist das anders, die interessiert das, und plötzlich ... ist der Widerstand wieder aktuell.»

    Tom Cruise und Stauffenberg
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    Ein ganz anderer Prominenter als Kohl weckte nach Einschätzung eines Bundeswehr-Offiziers gerade bei jungen Menschen Interesse an dieser Zeit der Geschichte, auch wenn er keinen Einlass in den Bendlerblock bekam: der US-Schauspieler Tom Cruise. Der bekennende Scientologe spielt in einem Film über das gescheiterte Attentat von Stauffenberg, erhielt aber keine Drehgenehmigung für den Bendlerblock. Das habe nichts mit der Glaubensausrichtung von Schauspielern zu tun, argumentierte die Bundesregierung. Sondern damit, dass die Würde des Ortes verletzt würde, wenn er zu einer «simplen Kulisse» umgewandelt würde. (Kristina Dunz, dpa)
     
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