Jampa Tsedroen (Carola Roloff), buddhistische Nonne vom Tibetischen Zentrum in Hamburg, erklärte: «Damit hat der Dalai Lama eine neue Linie im tibetischen Buddhismus anerkannt und schafft auf eine sehr asiatische Weise Tatsachen». Beobachtern zufolge ist das größte Problem, dass die in der Mehrzahl konservativen tibetischen Mönche die volle Ordination der Nonnen anerkennen. Die volle Ordination von buddhistischen Nonnen wird bereits in einigen asiatischen Ländern wie China, Sri Lanka und Thailand anerkannt. Sie ist etwa der christlichen Priesterweihe vergleichbar. Die Zahl der buddhistischen Nonnen wird weltweit auf 360.000 geschätzt.
«Wir können sagen, dass die Dominanz von Männern in der modernen Zeit überholt ist», ergänzte der Dalai Lama. Frauen seien auf andere Art den Männern überlegen, denn sie hätten das «weichere Herz». Wenn die Mehrzahl der Führungspositionen von Frauen besetzt sei, dann würde es sicher nicht so viele Gefahren in der Welt geben. Dann scherzte der Dalai Lama: «Aber wir haben es auch noch nicht ausprobiert.» Manche Frauen seien auch «schwierig».
Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen erklärte, «Frauen haben genauso religiöse Kompetenz wie Männer. Wir mussten sie zwar freikämpfen, aber nicht erlernen. Wir haben sie seit Geburt von Gott mitbekommen.» Jepsen sprach von ihren Erfahrungen als erste lutherische Bischöfin der Welt. «In erster Linie stehen die Traditionen, die sich in unseren Köpfen und Gefühlen eingenistet haben der Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche entgegen.»
Am Freitag endete der dreitägige internationale buddhistische Nonnenkongress. Insgesamt drei Tage haben 65 buddhistische Wissenschaftler und hochrangige Buddhisten vor einem Fachpublikum von 300 Personen über die Details einer vollen Ordination für tibetische Nonnen diskutiert. Dabei trafen unterschiedliche buddhistische Traditionen aus verschiedenen Regionen Asiens aufeinander. (epd/dpa)