Merkel bleibt auf Integrationsgipfel allein
12.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Mit harscher Kritik wird die Bundesregierung dennoch bei dem Gipfel im Kanzleramt rechnen müssen. Weitere Migrantenvertreter, Gewerkschaften und Kirchen verurteilen - wie auch die türkischen Organisationen - die Verschärfungen durch die jüngst durch Bundesrat und Bundestag verabschiedete Zuwanderungsreform. Diese stehe «dem Geist des Integrationsgipfels» entgegen, so die Caritas. Von einem «Keil», der in die «emotionale Zugehörigkeit» getrieben werde, spricht der Rat der türkeistämmigen Staatsbürger - einer der vier Verbände, der neben der Türkischen Gemeinde in Deutschland, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Föderation Türkischer Elternvereine dem Integrationsgipfel nun fernbleibt.
Die Liste der beanstandeten Punkte ist lang, die Enttäuschung über die ignorierte Kritik groß. Bei der Union löste der Boykott teils wütende Reaktionen aus: Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte der «Frankfurter Rundschau», wer Deutschkurse für zuziehende Ehefrauen kritisiere, plädiere für deren gesellschaftliche Unmündigkeit. Die Bundes-Migrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) nannte die Kritik der Verbände «einseitig», denn das Gesetz gebe auch Anreize für «Integrationsleistungen».
Merkel und Böhmer werden jedenfalls den weiteren Weg zu mehr Integration in Deutschland an diesem Donnerstag einem deutlich kleineren Kreis vermitteln müssen. Auf mehreren hundert Seiten legen Bund, Länder, Kommunen und Verbände in einem «Nationalen Integrationsplan» 400 Selbstverpflichtungen für eine bessere Integration der Zuwanderer fest. Es geht unter anderem um einen Ausbau der Integrationskurse, Sprachförderung, einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt und die Schaffung von «Bildungspaten» für jugendliche Migranten.
Auch die nunmehr ausgestiegenen türkischen Verbände hatten in den zehn Arbeitsgruppen mitgearbeitet, die nach dem ersten Integrationsgipfel eingerichtet wurden. Die Türkische Gemeinde in Deutschland etwa setzt sich für eine Bildungsoffensive für Eltern türkischer Herkunft ein. (Ann Kathrin Sost, epd)

