Kritik an Verweigerern des Integrationsgipfels
11.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zuvor hatte Kolat bereits mit dem Boykott des Gipfels bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gedroht. Er kritisierte das Integrationsgesetz erneut als diskriminierend, da es eine Ungleichbehandlung von Migranten enthalte. So müssten beim Ehegattennachzug einige Nationalitäten Sprachkenntnisse nachweisen, andere nicht. Kolat schloss eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht nach wie vor nicht aus.
Für den Boykott des Gipfels und die Begründung hierfür ernteten die türkischen Organisationen heftige Kritik. Es sei erstaunlich, wie schnell manche Funktionäre das Wort der Diskriminierung im Munde führten, schrieb Unionsfraktionschef Volker Kauder in einem Beitrag für die «Frankfurter Rundschau». Auch Böhmer zeigte sich enttäuscht, weil die Verbände nicht an dem Integrationsgipfel teilnehmen werden.
Kauder warf den Verbänden vor, zu wenig zu tun, um die Integrationsprobleme der nachziehenden Frauen zu lösen und forderte Migranten auf, die Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Alle Hilfe nütze nichts, wenn Kinder zu Hause nur Zugang zu ausländischen Fernsehkanälen hätten. «Wenn zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, fehlt die für einen erfolgreichen Spracherwerb wichtige familiäre Unterstützung.»
Böhmer wies Kritik am Zuwanderungsgesetz zurück. «Man kann nicht einerseits den Dialog fordern und sich ihm andererseits verweigern», sagte sie der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». «Die Sprachbarriere ist ein Hemmnis für Integration. Deshalb ist der Ansatz im neuen Zuwanderungsgesetz: Erste Sprachkenntnisse sollten bereits vor der Einreise nach Deutschland bestehen.» Das sei keine Hürde, sondern eine Hilfe im Alltag.
Die in der Türkei geborene Frauenrechtlerin Seyran Ates bezeichnete in der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» die Boykottdrohung als «abstrakten Unsinn». Sie sei kontraproduktiv und kindisch, meinte Ates. Der Integrationsgipfel ist bereits bei der Kabinettssitzung am Mittwoch ein Thema. Die Ministerrunde unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will dabei 150 Selbstverpflichtungen verabschieden, die in den nationalen Integrationsplan einfließen sollen.
Der Berliner Migrationsbeauftragter, Günter Piening, äußerte dagegen Verständnis für die Haltung der Organisationen. «Es ist von Seiten der Bundesregierung unterschätzt worden, wie tief verletzt die Migrantenverbände über die nicht gehörten Vorschläge zum Zuwanderungsgesetz gewesen sind», sagte er der «Berliner Zeitung». Ihn habe die harte Haltung der Bundesregierung überrascht. (dpa/AP)

