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Muslimische Verbände drohen der Bundesregierung

04. Jul 2007 18:51
Muslime in Berlin
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Eine Woche vor dem nächsten Integrationsgipfel gibt es Ärger. Ausländer-Verbände drohen fernzubleiben, sollte das Zuwanderungsgesetz nicht noch einmal geändert werden. Das Kanzleramt müht sich um Schadensbegrenzung.

Die Bundesregierung hat mit Unverständnis auf die Ankündigung türkischer Verbände reagiert, dem Integrationsgipfel in der kommenden Woche fernzubleiben. «Integration funktioniert nur mit Teilnahme, nicht mit Wegbleiben», sagte der Sprecher des Innenministeriums. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm versuchte, die Veranstaltung zu retten: Es liege im Interesse aller Beteiligten, selbst teilzunehmen. Beim Gipfel am Donnerstag kommender Woche gebe es auch Gelegenheit, Kritik zu äußern.

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Der Hintergrund: Unmittelbar vor der geplanten Verabschiedung des neuen Zuwanderungsgesetzes am Freitag im Bundesrat hatten Verbände Druck gemacht. Sie wollen, dass das Zuwanderungsgesetz noch einmal geändert wird und machen dies von ihrem Erscheinen beim Integrationsgipfel nächste Woche bei der Bundesregierung abhängig.

Der Koordinationsrat der Muslime ließ wissen, die Neuregelungen des Zuwanderungsgesetzes seien weder verfassungskonform noch gebe es überhaupt einen Regelungsbedarf. Er äußerte zudem Verständnis für die Ankündigung der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), sich bei einer Verabschiedung des Gesetzes vom Integrationsgipfel zu distanzieren. Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) und der Rat Türkeistämmiger Staatsbürger appellierten an die Bundesländer, dem Zuwanderungsverschärfungsgesetz nicht zuzustimmen. Das Gesetz schüre besonders türken- und türkeifeindliche Stimmungen. TGD-Vorsitzender Kenan Kolat hatte der «taz» gesagt: «Wir diskutieren ernsthaft, ob eine Teilnahme noch Sinn macht.»

Gleichberechtigter Partner

Um den Integrationsprozess nicht zu gefährden, benötige man ein Signal aus der Politik, hieß es von den Verbänden. «Wir wollen nicht als Statisten im Integrationsprozess beteiligt sein.» Wenn die Bundesregierung die Integration ernst meine, dürfe dieses Gesetz nicht Wirklichkeit werden. Die Verbände haben zumindest die Bundesregierung ein Stück weit in der Hand: Erscheinen sie nicht auf dem Integrationsgipfel, fehlen Kanzlerin Angela Merkel auf dem Abschlussfoto die wichtigsten Personen.

Hintergrund:
Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) mühte sich entsprechend und rief die türkischen Organisationen zur Teilnahme auf. Böhmer sagte, die Organisationen der türkischen Zuwanderer hätten jahrelang dafür gekämpft, von der Bundesregierung als gleichberechtigte Partner am Prozess der Integration beteiligt zu werden.

Der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, warf der Integrationsbeauftragten dagegen vor, aus dem Gipfel «eine reine Showveranstaltung gemacht» zu haben. In der Wochenzeitung «Rheinischer Merkur» sagte er, es fehle vor allem an Kriterien, an denen man den Erfolg messen könne.

Keine Änderung

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums nannte es zudem «schlicht polemisch und falsch» zu sagen, einzelne Passagen des geplanten Gesetzespakets seien auf Ausgrenzung angelegt. Kritik üben die Verbände vor allem an den geplanten Verschärfungen des Staatsangehörigkeitsrechts sowie den Neuregelungen zum Familiennachzug, die einfache Deutschkenntnisse von Angehörigen vor der Einreise verlangen.

Die SPD-Integrationsexpertin Lale Akgün sagte dem Kölner «domradio», sie habe bereits beim ersten Integrationsgipfel vor zu viel Begeisterung gewarnt. Wenn Ditib jetzt aber dem Gipfel fernbleibe, ändere das am neuen Zuwanderungsgesetz nichts.

Führende Länderminister bemängelten unterdessen im «Rheinischen Merkur», dass die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) die umfangreichen Ausarbeitungen der Arbeitsgruppen zum Bestandteil des «Nationalen Integrationsplans» machen wolle. Der Plan soll auf dem Gipfel am 12. Juli vorgestellt werden.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) mahnte zu konkreten Ergebnissen. Aus den vorliegenden 265 Seiten müssten die wichtigsten Punkte herausgearbeitet werden. Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) sagte der Zeitung, manche der Forderungen aus den Arbeitsgruppen seien nicht umsetzbar. (nz/epd/dpa/AP)

 
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