01. Jul 2007 12:20, ergänzt 15:29
Das Wiederanfahren des Atomkraftwerks Brunsbüttel drei Tage nach einer schweren Panne ist auf scharfe Kritik von Umweltschützern getroffen. Greenpeace spricht von «Unding».
Am Samstag hatte die für Reaktorsicherheit zuständige schleswig- holsteinische Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) entschieden, dass der Reaktor des 1976 in Betrieb gegangenen Kraftwerks Brunsbüttel wieder angefahren werden darf. Es bestünden keine sicherheitstechnischen Einwände. Der Betreiber, Vattenfall Europe, traf noch am Abend entsprechende Vorbereitungen. Greenpeace-Sprecher Thomas Breuer nannte die Entscheidung «ein Unding». Es sei in der kurzen Zeit kaum möglich, die Ursachen der Pannen zu ermitteln. «Brunsbüttel ist einer der störanfälligsten Reaktoren in Deutschland», sagte Breuer. «Uns macht besonders Sorge, dass ein Steuerstab nicht richtig funktioniert hat.»Verantwortlich für die Abschaltung in Brunsbüttel und einen darauf folgenden kleinen Schwelbrand sind den Ermittlungen zufolge Arbeiten an einem Bauteil außerhalb des Kraftwerks, einer Stromübergabestelle vom Kraftwerk ins Netz. «Beim Einschalten eines Wandlers kam es zum Kurzschluss», sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. Bei der Schnellabschaltung entstand in einer Turbine durch austretendes Öl ein Schwelbrand. Außerdem hatten sich Risse an Abdeckblechen gebildet.
Die Ministerin forderte ein Ende der Debatte um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke in Deutschland. Zu lange hätten die Betreiber geglaubt, den Atomkonsens nach einmal auflösen zu können, sagte sie der Zeitung «Schleswig-Holstein am Sonntag». Dabei hätten die Unternehmen viel Zeit bei der Umstellung auf andere Energiearten verloren. Der Ausstieg stehe im Koalitionsvertrag und nicht zur Disposition.Im 1983 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk Krümmel hatte am Freitag ein Sachverständiger im Schutzanzug einen Blick in das ausgebrannte Nebengebäude geworfen und starke Zerstörungen an dem Transformator festgestellt. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte sich Öl entzündet, mit dem das Gerät gekühlt wird. Der 1400-Megawatt- Reaktor hatte sich daraufhin automatisch abgeschaltet. (dpa)