Marco W. beteuert seine Unschuld
26.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auch bei seinen Eltern, die er einmal die Woche sehen könne, habe er sich nicht über die Haftbedingungen beschwert. Allerdings habe er ihnen erzählt, wie schwierig es sei, mit so vielen Leuten einen Saal, eine Dusche und eine Toilette zu teilen, sagte er dem Blatt. Gut sei, dass es einen Innenhof gebe, der von morgens sieben bis abends acht Uhr geöffnet sei. Allerdings sei es in Antalya im Moment so heiß, dass man keine Lust habe hinauszugehen.
Er hoffe, sagte Marco «Hürriyet», dass die Wahrheit ans Licht komme und das Verfahren gegen ihn eingestellt werde. Er würde sich wünschen, dass die 13-jährige Engländerin die Wahrheit erzähle und die Anzeige zurückgezogen werde. Nach seinen Angaben ging die Initiative von dem Mädchen aus. Die Engländerin habe ihn nachts in ihr Hotelzimmer gerufen. «Sie hat mich zuerst geküsst», sagte Marco. Zum Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen. Als er das Zimmer verlassen habe, habe sie ihn böse angesehen. «Sie hat mehr von mir erwartet.» Das Mädchen habe sich ihm gegenüber als 15-Jährige ausgegeben. Er habe «einen Schock bekommen», als er später erfahren habe, dass sie erst 13 sei. «Wenn ich das gewusst hätte, wäre es ganz sicher nicht so weit gekommen.»
Der Trierer Rechtswissenschaftler Hans-Heiner Kühne rechnet mit einer schnellen Lösung in dem Fall. Weder die türkische Regierung noch die türkische Justiz seien daran interessiert, dass hier wirkliche Probleme entstünden, sagte Kühne am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Der Wissenschaftler ist auch Berater des türkischen Außenministeriums in Menschenrechtsfragen.
Nach Ansicht des Anwaltvereins sollte die Bundesregierung, darauf hinarbeiten, dass der Fall in die Zuständigkeit der deutschen Justiz übergeht. In der «Frankfurter Rundschau» sagte der Strafrechtler Ulrich Sommer, es sei anzustreben, «dass die für Marco zuständige deutsche Staatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich zieht und den Fall hier verhandelt». Die Türken könnten dann gebeten werden, ihr Verfahren einzustellen. Sollte sich ein Urteil in der Türkei dennoch nicht verhindern lassen, könne sich die Regierung auch danach noch um die Überstellung Marcos bemühen, sagte Sommer. (nz/dpa)

